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Aus den Zeiten schwerer Not – Klarwelt

Das furchtbare Unglück, welches im November des Jahres 1806 über die freie Reichs- und Hansestadt Lübeck hereinbrach, hat schon Zschokke mit der Verwüstung Magdeburgs durch Tilly verglichen. War die Katastrophe Lübecks allerdings nicht eine so vollständige, wie die jener andern unglücklichen Stadt, so war sie dagegen eine weit ungerechtfertigtere, unverschuldetere und schlug wie ein Blitz aus heitrer Höhe auf ein völlig harmloses Gemeinwesen herab. – Staat und Stadt Lübeck befanden sich mit aller Welt im Frieden, dennoch überzog sie die Kriegsfurie in wenig Tagen und lieferte in der durchaus neutralen Stadt eine mörderische Schlacht und überantwortete sie einer Plünderung, wie dieses Jahrhundert in Europa ihres Gleichen nicht aufzuweisen hat.

Z13 Von Kiel bis Narvik – August Wilhelm Heye

Bald krepieren die ersten Granaten in unmittelbarer Nähe. Hier und dort sind Stellungen der Gebirgsjäger. Die „Kraxelhuber“ nehmen sich ihrer Kameraden von der See an und ziehen sie in ihre Laufgräben, die sie in den Schnee gegraben haben. Manche der Seeleute sind aber irgendwo allein am Hang, weit entfernt von einer deutschen Stellung. Als auch rechts und links von ihnen die Geschosse der Engländer einschlagen, sind sie in einer verzweifelten Lage. Zunächst versuchen sie, weiter hinaufzuklettern, überhaupt irgendwie ihre Stellung zu verändern, um den Schüssen zu entgehen. Ihr Mangel an Bergausrüstung macht sich bemerkbar. Bis unter die Arme versinken sie im Schnee, an senkrechten Felswänden rutschen sie ab, zerfetzen die Kleidung und reißen die Finger blutig. Es ist ein wahnsinniger Wettlauf mit dem Tode.

Erinnerungen aus dem deutschen Kriege 1866 – Klarwelt

Der Kampf hatte halb zehn Uhr früh begonnen und endete erst gegen Abend. In der Zeit weniger Stunden waren nahezu Viertausend gefallen, tot oder verwundet. Das Schlachtfeld war besät mit Menschen- und Pferdeleichen und Leibern, das Blut bildete wahre Lachen, die Seufzer, das Stöhnen und die unaussprechlichen Jammerlaute und Hilferufe Schwerverwundeter zermalmten ein Herz von Stein. Es flossen selbst von Solchen Tränen, die lange schon keine Zehre mehr gekannt. Weinten doch selbst die Augen des blinden Königs Georg, rang doch selbst sein Thronerbe die Hände, als Beide noch an selbem Tage über das Schlachtfeld schritten und diese grausige Menschenschlächterei wahrnahmen. Niemals habe ich so viele bleiche, entsetzte Gesichter gesehen als an diesem Abend!

Unter deutscher Flagge quer durch Afrika von Ost nach West – Hermann Wissmann

Mit furchtbarer Kraft brannte die Sonne in dieses Tal herab auf unser schattenloses Lager. Mehrere Träger hatten Fieber, ich selbst litt an schmerzhaften Furunkeln. Von Tag zu Tag drückte unsere Begleitung deutlicher ihre Abneigung aus, die entsetzlichen Ufer von drüben zu betreten. Immer unumwundener ließen sie ihren Willen merken, umzukehren, immer stießen sie bei uns auf denselben Widerstand. Wir nahmen ihnen Lasten und Gewehre ab und erklärten, sie möchten unbewaffnet gehen, wir blieben. Kalamba kehrte erfolglos von der Jagd zurück, und auch er gab uns zu verstehen, dass Weitergehen Wahnsinn sei. Nur eine einzige Person, der wir niemals dieses Wort vergaßen, Sangula, Mukenges Schwester, sagte: „Ich bleibe bei Kassongo und Kabassu, mögen unsere Söhne daheim sagen, unsere Männer sind Memmen, sie haben die Baschangi ihrer Brüder verlassen, mich sollen sie nicht beschimpfen.“ Nun wurden allerlei Auswege vorgeschlagen. Pogge wollte nach Norden, aber die Furcht vor den Bakuba schien noch größer zu sein, als die vor den Kannibalen drüben.

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Vor vierzig Jahren – Richard Graf von Pfeil

VOR VIERZIG JAHREN beschreibt die Erlebnisse des preußischen Offiziers Richard Graf von Pfeil vom Ersten Garde-Regiment, im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
Während sich das militärische Leben anfangs zwischen Exerzieren und Parademarsch bewegt, ändert sich das im Juli 1870 schlagartig, als es zum Kriegsausbruch kommt.
Die Freude auf den Beginn eines neues Abenteuers weicht jedoch recht schnell der Ernüchterung. Grauenhafte Eindrücke und die Brutalität des Krieges bestimmen fortan den Alltag.

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Wanderbuch vom blutigen Westen – Georg Queri

Verdun . . .
Tausend Geschützschlünde speien. Die Nacht ist kalt und klar und die Scheinwerfer zielen von den Forts über die Stadt hin und suchen die Winkel des Himmels ab. Schlaflose Menschen an den Fenstern, begierig lauschend und über die nächtliche Flur die Gedanken westwärts sendend: Verdun! Und fröstelnd schlüpfen sie in die Kleider, und kleine Karawanen ziehen an der Mosel ins freie Feld, den Donner im unbeengten Raum zu hören. Die Sterne blassen, das Tagesgrau schleicht mit den Moselnebeln an; der Donner will nicht ersterben, und schweigende Menschen stehn und fiebern.

Von den Argonnen herüber bis Verdun arbeiten Geschütze. Du hörst das ferne Grollen landender deutscher Granaten, du siehst aus Kanonenschlünden Feuer aufblitzen und aus der Kraft von hundert Bässen will dein Ohr die Kaliber heraushören.
Ein gewaltiges, an allen Ecken und Enden des Terrains rüttelndes Dröhnen. Oder du siehst die geschickt angelegten Munitionslager, Berge von Granaten, auf riesige Landkomplexe verteilt. Und immer wieder rollen Wagen an, immer wieder Munition.
Verdun . .

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U-Boote im Eismeer – Unbekannter Autor

Ganz nah, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, liegen die deutschen und die russischen Schützengräben einander gegenüber. Ein Schuss fällt von drüben, ein zweiter, dritter, zehn, hundert, tausende. Das vereinzelte Krachen schwillt an, es vereinigt sich zu einem brüllenden Tosen. Hoch, wie von der Gewalt ein-es Vulkans gehoben, spritzt die braune Erde unter dem ehernen Hagel der berstenden Granaten empor. Unerschöpflich scheint die Munition, über die der Russe verfügt. Die Luft zittert unter dem Pfeifen und Heulen der Geschosse, unter dem Surren der Sprengstücke. Schwer, träge wälzt sich in dichten Schwaden brauner und grünlichgelber Rauch heran, dann, mit einem Schlage, verstummt das Feuer. Die braunen Gestalten der Russen brechen aus ihren Gräben hervor, Welle auf Welle, unübersehbar fast stürmen sie heran . . . in den Tod. Ratternd und peitschend stürzt er sich ihnen aus den deutschen Gewehren und Maschinengewehren entgegen, reihenweise, zu Hunderten fegt er sie hinweg. Jede Scholle scheint Leben bekommen zu haben, speit Verderben und Vernichtung. Ein Stutzen, ein Zögern! Ein einzelner wendet sich, zwei, ein Zug, ein Regiment. In wilder Todesangst klettern sie über die zu Bergen getürmten Leiber gefallener Kameraden, suchen Schutz, Deckung, fliehen . . . fliehen . . . in die eigenen Maschinengewehre hinein, die jetzt den Überfluss an Munition gegen sie kehren.

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Kriegs-Erinnerungen eines deutschen Soldaten – Unbekannter Autor

Der Verfasser dieser Erinnerungen, ein Bergmann aus dem Saarrevier, für dessen Glaubwürdigkeit und guten Charakter wir bürgen, hat in seiner einfachen, schmucklosen Schilderung des Krieges, wie er ist, das stärkste Argument gegen den Krieg nicht nur, sondern gegen jede Art von Militarismus, gegen jede Art von Kriegsbereitschaft geliefert.Ende Juli herrschte in unserer Garnison Koblenz eine fieberhaft erregte Stimmung. Ein Teil unserer Leute war von einer nicht wiederzugebenden Begeisterung, der andere von einer unbeschreiblichen Niedergeschlagenheit beseelt. Die Kriegserklärung lag in der Luft. Ich gehörte zu den Niedergeschlagenen. War ich doch im zweiten Jahre Soldat und sollte in sechs Wochen entlassen werden. Statt der langersehnten Heimfahrt stand nun der Krieg vor der Tür . . .
Ich war auch während meiner Militärzeit der Antimilitarist geblieben, der ich vordem gewesen. Ich konnte mir nicht denken, welches Interesse ich an einem Massenmord haben könnte und vertrat auch meinen Kameraden gegenüber die Ansicht, dass ein Krieg unter allen Umständen für die Menschheit das größte Unglück sei, das sie treffen könne.

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… starben in Flandern – Bruno Schwietzke

Tank! Tank!
Gegen fünf Uhr morgens fängt es an zu regnen. Erst rieselt es eine halbe Stunde, dann gießt es mit Kannen. Halb Schnee, halb Graupeln. Es quietscht und gluckst in den verschlammten Abzugsrinnen. Das stinkende, faulige Wasser in den Trichtern steigt und die Ratten huschen aus ihren nass werdenden Schlupfwinkeln pfeifend über die Deckung. Die dritte Kompanie unter Leutnant Klaasmeier ist alarmbereit. Über vier Bunkerstände sind die achtzig Gewehre verteilt. In kurzen Verbindungsgräben, notdürftig mit Sandsäcken gegen das Einrutschen geschützt, hängen die verstärkten Posten mit klammert Fingern fröstelnd die Zeltbahnen über die grauen, lehmverschmierten Mäntel. Wenn diese Regenflut nur noch eine Viertelstunde andauert, werden sie das Wasser über die Deckung pumpen müssen ——

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Die letzte Schlacht – Theodor Jakobs

Müde und schwer marschierte auf öder, baumloser Landstraße ein niedersächsisches Infanterie-Regiment dem unbekannten Vorn entgegen. Das Singen war längst verstummt, und die wenigen Worte, die gewechselt wurden, verrannen wie Wassertropfen im dürren Sand. Dunkel war es geworden, und das diesige Herbstdämmern brachte schwere Gedanken. Manch einer von den Leuten griff mit dem Daumen unter den Tornisterriemen, um diese eigenartige Last besser tragen zu können; aber sie wurde trotzdem nicht leichter. Das Erleben der letzten Frontjahre lag schwerklebrig gleich geronnenem Blut über Singen, Dienst und Stürmen, und eine weinende, fressende Sehnsucht nach friedlichem Zuhause hatte sich wie harte Steinsplitter in die Tiefe der Seele hineingegraben. Das stürmende Hurra war längst verlorengegangen und schlief irgendwo als heimlicher, gesunkener Schatz im Schlachtenall. Vorne trat eine Stockung ein. „Scharf rechts heran!“ hieß es. Halt wurde gemacht. Schnell standen die Gewehre als Stützen unter dem Tornister. …

 
 

Interessante Szenen aus der Geschichte der Menschheit-Band 2- Georg Friedrich Palm

William Maw, der in seinem fünfzigsten Jahre am Galgen wegen seiner Räubereien den verdienten Lohn bekam, fiel einst, als er den Nachstellungen des Richters nicht anders auszuweichen wusste, auf die List, sich für einen Toten ausgeben zu lassen. Seine Frau musste gegen jedermann sagen, er liege auf den Tod krank darnieder, und in kurzer Zeit klagte sie ihren Nachbarinnen weinend, dass der liebe Gott die geängstigte Seele ihres Mannes aus dessen Leibe entkerkert habe. Die Frau ließ ihrem verstorbenen Manne einen Sarg machen, zu welchem sie dem Tischler selbst den Maßstab gab. Auch wurden viele Nachbarn zum Leichenbegräbnis gebeten. Die Leichenprozession ging vor sich, und die Frau folgte mit aller möglichen Betrübnis der angeblichen Leiche nach. Denn sie besaß die Kunst sich zu verstellen im höchsten Grade, und wusste die Nachbarinnen durch ein heuchlerisches und scheinheilige Wesen so einzunehmen, dass sie in ihren Charakter nicht das geringste Misstrauen setzten.

 
 

Interessante Szenen aus der Geschichte der Menschheit-Band 1 – Georg Friedrich Palm

Die Geschichte liefert schwerlich mehrere Beispiele von einer solchen ausdauernden Hartnäckigkeit und einer solchen Gleichmütigkeit in Ertragung der größten Martern, als dieser Bösewicht in seinen letzten Lebenstagen aufstellt. Damians hatte (im Jahre 1757) bekanntlich die Absicht, den König Ludwig XV. mit einem Messer zu ermorden, verwundete ihn aber doch nicht tödlich. Man wünschte seine Teilnehmer, oder diejenigen zu erfahren, welche ihn zu diesem abscheulichen Unternehmen auf-gemuntert hätten; aber er konnte durch keine Schmerzen und Martern zum Geständnisse gebracht werden. Das Urteil, welches über ihn gesprochen wurde, bestimmte, dass er, nachdem ihm die Hand durchstochen und bei einem gelinden Feuer verbrannt worden wäre, mit Zangen zerfleischt, als denn von vier Pferden zerrissen und endlich verbrannt werden sollte.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 8 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

Sie hatte es doch wohl gesehen; sie sah auch etwas Anderes. Die Rosen an den Stöcken waren verblüht und verblieben; manche waren in dem kalten Regen gar nicht zum Aufblühen gekommen; die Knospen hingen tot und schwarz an den Zweigen. Das sah sie auch, die Kranke, und sie sah still ergebungsvoll zum Himmel hinauf; aber eine Träne war ihr doch auch in das Auge gekommen, und der alte John—sah es, und er konnte sein Gesicht nicht mehr abwenden, und sie sahen sich beide mit den weinenden Augen so traurig an, die junge Dame und der alte Mann. Der Graf stand mit dem, von dem Schmerze und der Angst zerrissenen Gesichte still daneben, und es war mir, als wenn er doch am meisten leide.
Da war auch seine Schwester, die alte Baronin, in den Garten gekommen. Sie trat mit ihrem hässlichen Gesichte zu den Anderen und sprach einige Worte zu der Kranken, und machte ein so freundlich, süßes Gesicht; aber ich meinte, man könne kein hässlicheres und widerwärtigeres sehen.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 7 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

Sie hatte es doch wohl gesehen; sie sah auch etwas Anderes. Die Rosen an den Stöcken waren verblüht und verblieben; manche waren in dem kalten Regen gar nicht zum Aufblühen gekommen; die Knospen hingen tot und schwarz an den Zweigen. Das sah sie auch, die Kranke, und sie sah still ergebungsvoll zum Himmel hinauf; aber eine Träne war ihr doch auch in das Auge gekommen, und der alte John—sah es, und er konnte sein Gesicht nicht mehr abwenden, und sie sahen sich beide mit den weinenden Augen so traurig an, die junge Dame und der alte Mann. Der Graf stand mit dem, von dem Schmerze und der Angst zerrissenen Gesichte still daneben, und es war mir, als wenn er doch am meisten leide.
Da war auch seine Schwester, die alte Baronin, in den Garten gekommen. Sie trat mit ihrem hässlichen Gesichte zu den Anderen und sprach einige Worte zu der Kranken, und machte ein so freundlich, süßes Gesicht; aber ich meinte, man könne kein hässlicheres und widerwärtigeres sehen.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 6 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

In dem elegantesten Salon des restaurierten Teils des Schlosses Hohenhorst stand im strahlenden Glanze der Wachskerzen ein kleiner Herr mit einem runden Bäuchlein, einem krummen Rücken, einer langen orientalischen Nase und einem sehr klugen aber auch zufriedenen Gesichte.
Vor ihm stand in etwas gebückter Stellung ein Mann, mit einem schlichten, geraden, ehrlichen Wesen.
Der Herr mit der langen Nase, dem krummen Rücken und so weiter hielt ein Papier in der Hand; er hatte einen schnellen, aber prüfenden Blick hineingeworfen. Dann wandte er sich zu dem schlichten Manne vor ihm.
„Ich danke Ihnen, mein lieber Herr Rentmeister, Sie haben vollkommen meine Intentionen getroffen; ich bin überhaupt ganz zufrieden mit Ihnen. Sie stehen nun schon beinahe Zeit einem halben Jahre in meinen Diensten, und ich habe Sie nur als einen treuen und redlichen Diener kennen gelernt. So waren Sie mir auch empfohlen; fahren Sie so fort, und ich werde Ihnen immer ein gnädiger Herr sein. Sie sind doch auch mit mir zufrieden?
„Gewiss, gnädiger Herr, versicherte der Rentmeister.
Durch das Gesicht des gnädigen Herrn zog sich eine leise Röte leichten Verdrusses.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 5 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

Der Sturm schlug lauter an die Fenster der Mühle. Er strich heftiger an den Mauern vorüber. Die hohen Tannen beugte er, als wenn sie brechen sollten. Er trieb keinen Regen mehr, aber den Schnee desto dichter und wilder. Die großen, schweren Flocken erfüllten und verfinsterten die Luft, dass man keine zehn Schritte weit sehen konnte.
Hören konnte man noch weniger in dem Heulen und Brausen rund umher.
„Besser hätten wir es wohl nicht treffen können,“ sagte von zwei Männern, die eilig, aber dennoch vorsichtig durch das Unwetter schritten, der Eine zu dem Andern.
Sie gingen ohne Pfad, in der tiefen Finsternis, mitten in der Heide. Sie kannten gleichwohl den Weg, den sie zu nehmen hatten, wenigstens der Eine, der vorn ging; er schritt sicher einher, ohne anzuhalten, ohne sich zu besinnen, ohne sich nur einmal umzusehen. Er hatte auch gesprochen.
Sein Begleiter folgte ihm schweigend.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 4 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

In einer dunklen Herbstnacht gingen zwei Menschen durch die Straßen einer großen deutschen Stadt.
Wenn man sie bei Tage gesehen hätte, so würde man über sie und ihr Geschäft kaum einen Augenblick haben zweifelhaft sein können.
Es waren ein Paar Männer, ein Paar schmächtige Gestalten; der Eine war lang, der Andere war klein. Jener trug einen langen Rock, dieser eine kurze Jacke. Sie gingen langsam, aber scheu; manchmal schossen sie plötzlich einige Schritte vorwärts oder zur Seite. Immer waren sie vorsichtig, immer leise; immer waren ihre Blicke überall hin gerichtet. So zogen scheue, feige, katzenartige Raubtiere auf Beute aus.
Auf Beute zogen sie, die beiden Männer. Es waren ein Paar gewöhnliche Diebe der großen Stadt, und sie führten schon seit manchem Jahre das gewöhnliche, allerdings etwas abwechselnde Leben der Diebe, besonders in großen Städten.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 3 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

Der gewandte Polizeirat hatte mit seinen Leuten nur Einen von den Dieben aus dem Keller am Dönhofsplatze gefangen. Die drei Anderen waren nach verschiedenen Seiten hin entkommen. Wegen der Entkommenen wusste sich der Polizeirat zu trösten. Sie waren ihm zu jeder weiteren Stunde sicher, so meinte er, wenigstens nach dem Fange, den er gemacht hatte.
Es war ein großer, schöner, junger Mann, der Gefangene, mit einem feinen, blassen Gesichte, einem glänzend schwarzen, krausen Barte, einem stolzen, vornehmen Wesen.
Der Pole! sagte sich der Polizeirat. Der Geliebte der Josepha Wagner! Der verwegene Dieb, der an der Spitze der frechsten Berliner Diebe steht! Von dem die Polizei dennoch seit acht Wochen nichts wusste! Vielleicht gar der Mörder in der Chausseestraße, er mit seinen Gesellen! Endlich habe ich ihn.
Verwahrt ihn sicher! befahl der Polizeirat seinen Leuten.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 2 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

Das Geld des Ermordeten fehlte. Er hatte am gestrigen Tage für seine verkauften Ochsen gerade zweitausend Taler in Gold eingenommen, in einfachen und doppelten Friedrichsd’oren, sein Landsmann und Kamerad Kalbermann wußte es genau, der Ermordete hatte das Geld mit ihm vor dem Schlafengehen überzählt, dasselbe dann in seinen großen ledernen Beutel gefüllt und diesen in sein Bett unter das Kopfkissen gelegt. Beutel und Geld waren nicht mehr da.
An dem verübten Raubmorde war nicht zu zweifeln. Auch die Spur der Mörder war leicht gefunden, sie wurde mit Hilfe aber freilich unter Leitung des Revierkommissarius der Chausseestraße gesucht und verfolgt.
Die Revierkommissarien Berlins waren nicht immer große Lichter; besonders nicht vor den Toren der Stadt.

 
 

Kriminal-Novellen-Band 1 – Jodocus Donatus Hubertus Temme

In der Oranienburger Straße zu Berlin ging ein einzelner junger Mann. Vor einem großen Hause mitten in der Straße blieb er stehen. Er war vor seiner Wohnung.

Nach Süden und Südosten hin hörte er von manchen Türmen Berlins die Glocken elf schlagen. Es war die elfte Stunde der Nacht.

Es war eine klare Sommernacht. Die Sterne am Himmel erhellten sie, ein wenig auch der Mond, der in seinem letzten Viertel stand.

Gaslaternen erhellen in den Sommermonaten die Straßen Berlins nicht. Wenigstens war es zu jener Zeit so, vor einigen zwanzig Jahren nämlich; wie es in der neueren Zeit ist, weiß ich nicht.

Der junge Mann zog seinen Hausschlüssel aus der Tasche, und steckte ihn in das Schloss des großen Haustores.

Die gute Stadt Berlin ist sehr verschrien, als ein Sodom und Gomorrha, als noch mehr. Und in neuerer Zeit, seitdem sie fromm geworden ist, ist sie am meisten verschrien und gerade die frommen Leute selbst, die sie so fromm gemacht haben, verschreien sie am meisten.

 
 

In Not und Tod – Otto Elster

Ein deutscher Seeroman aus der Gegenwart

Auf der leichtbewegten blauen Flut der Reede von Shanghai wiegte sich anmutig, gleich einem riesigen Schwan, S. M. Kreuzer „Lüneburg“. Trotz seiner Panzerung und seiner drei Schornsteine machte der Kreuzer einen leichten gefälligen Eindruck, so dass das geübte Auge des Seemanns ihm Wohl eine Schnelligkeit von 25 Knoten die Stunde zutrauen konnte. Die Länge der Lüneburg mochte fast 120 Meter, ihre Breite 14 Meter betragen. Neben den drei Schornsteinen führte sie ein Bug und vor dem Achterdeck je einen Mast mit Stange und Raaen, so daß sie auch, um Kohlen zu sparen, den Wind zur Fahrt benutzen konnte.

Drohend ragten die blanken Rohre der zwölf schweren Geschütze aus den Batterien hervor, während die vier kleinen Kanonen sich mehr hinter der Schanzverkleidung zu verbergen schienen. Im Innern des Schiffes aber lauerten gleich gefährlichen Katzen die Maschinengewehre, die nur zu einem Nahkampf oder bei Landungen verwandt wurden. Heute jedoch sah das so stark armierte Schiff durchaus friedlich aus. Die Sonnenstrahlen blitzten auf den blanken Rohren der Geschütze und spiegelten sich in dem weißgescheuerten Deck. Der laue Wind spielte mit der schwarz-weiß-roten Flagge am Heck und säuselte in den Girlanden, die das von einem Sonnensegel überspannte Achterdeck umkränzten. Die gewaltige Maschine atmete nur leise, wie im Schlaf, und nur aus einem der Schornsteine wirbelte ein leichter Dampf zum blauen Himmel empor.

 

 
 

Aus dem Gefängnisleben – Theodor Oelckers

Es ist für den Erzähler ein ziemlich undankbares Werk, einen Abschnitt seines Lebens zu beschreiben, wo er sich äußerlich fast durchaus nur leidend verhalten musste, d. h. ungefähr so leidend wie eine unterm Mikroskop festgehaltene Fliege. Der Zustand eines Gefangenen, sei es in Untersuchungs- sei es in Strafhaft, ist demjenigen eines lebendigen Geschöpfs unterm Mikroskop in der Tat sehr ähnlich, nur mit dem wesentlichen Unterschiede, daß der menschliche Gefangene diesen peinlichen Zustand als ein mit Selbstbewusstsein begabtes Wesen erduldet. Dies steigert die Qual unendlich und würde sie bis zur Unerträglichkeit steigern, hätte der Gequälte vor dem vernunftlosen Geschöpf nicht den Vorteil voraus, den Quälenden oder Untersuchenden gleichzeitig selbst einer Untersuchung zu unterwerfen und sich dadurch wieder über ihn zu erheben. Indes ist das Geschäft, eine solche Lage in ihren Einzelheiten zu beschreiben, wie gesagt, ein undankbares, dem ich mich auch sicherlich nicht unterziehen würde, wenn sich dasselbe mir nicht als eine Pflicht aufdrängte, die erfüllt sein will.

 

 
 

Germania -Johannes Scherr

Wann der Mensch seine Fußstapfen dem deutschen Boden eingedrückt habe; das ist die eine Frage, welche beantworten zu wollen selbst die Phantasie nicht Kühnheit genug besitzt, geschweige die Wissenschaft. Dagegen vermag diese doch mit einiger Sicherheit zu sagen, dass schon in jener nebelgrauen Vergangenheit, als da, wo jetzt der Bodensee flutet, ein Eiszeitgletscher starrte, das schwäbische Land von Menschen bewohnt oder wenigstens durchschweift sein müsse. Um ein Beträchtliches jünger sodann sind die Spuren, welche Muscheln essende Bewohner nordgermanischer Küsten von ihrem Dasein in vorgeschichtlicher Zeit hinterlassen haben. Der geschichtlichen Zeit aber und damit auch der Vorstellbarkeit bedeutend näher gerückt ist, was uns die Pfahlbauten aus der „Steinzeit“ offenbarten, der Überreste in den Seen und Torfmooren der Schweiz aufgefunden wurden.

 

 
 

Hof und Gesellschaft in Frankreich – Liselotte von der Pfalz

Neue Folge der Briefe über die Zustände am französischen Hofe

Das lebhafte Interesse, das der von Rudolf Friedemann besorgten Sammlung von Briefen der Herzogin Elisabeth Charlotte aus den Jahren 1672—1700[1] entgegengebracht wurde, sowie der vielfach geäußerte Wunsch nach einer Fortsetzung über 1700 hinaus und für die Zeit der vielberufenen Regentschaft ihres Sohnes, des Herzogs Philipp II. von Orleans, veranlassten die Verlagshandlung, vorliegenden Band als weiteres Glied in der Kette ihrer die Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts betreffenden Publikationen den Liebhabern der französischen Sittengeschichte darzubieten. Und sie glaubt, für diesen Band eine gleiche Teilnahme wie für den ersten erwarten zu dürfen. Bilden doch die beiden Jahrzehnte nach 1700, um die es sich hier handelt, kulturgeschichtlich wie überhaupt historisch den ersten Brückenbogen, der über Sumpf und Moder zu einer terra nova führt. Der Grundton der beiden Jahrzehnte ist der der Zersetzung und Fäulnis. Selbst die zierliche Form, die den Erscheinungen der ersten und mittleren Epoche Ludwigs XIV. eigen war, verliert sich mehr und mehr und geht in dem Taumel der Regentschaft in Verzerrung über.

 

 
 

Der Herr der Luft – Leonhard Adelt

Es ist schwer zu sagen, weshalb die Menschen fliegen, und leicht, weshalb der Mensch fliegt. Die Bedingungen des Naturells und der Lebensführung schwanken mit dem einzelnen und bestimmen sein Verhältnis zu den Begleiterscheinungen des Fliegens: er ist Amateur oder Professional und reagiert mehr auf das Stichwort Geld oder Ruhm oder Gefahr. Dies ist zu verschieden und zu persönlich, als dass es sich auf eine Formel bringen ließe, und rührt nicht an die Wurzel aller Gründe, in die wir unser Schicksal pflanzen: die eingeborene Entschließung, unser Lebensgefühl zu erhöhen. Der Mensch giert nach Bereicherung, nach einer Überwindung der Gebundenheit, die seine süße an die Erde kettet. Wir sind Erde — aber sind wir nicht auch Wasser und sind Luft? Es ist der Sinn des Menschen, die ideelle Harmonie der Welt bewusst zu machen.

 

 
 

Blaue Jungs an Kesseln und Maschinen – August Wilhelm Heye

Es war an einem kalten Januarabend. Die Werkstattuhr schlug fünfmal. Jürgen Hausmann spannte sein Werkstück aus dem Schraubstock, fegte die Feilspäne von der Bank und schloss sein Werkzeug in den Kasten. Dann wusch er sich die Hände, wickelte sich den Schal um, zog Jackett und Handschuhe an, klemmte die Thermosflasche unter den Arm, schaltete das Licht aus und ging aus der Werkstatt. Nachdem er den Schlüssel im Kontor abgegeben hatte, machte er sich über den knirschenden Schnee heimwärts.

Über den Roßgärter Markt stieg er hinunter zum Sackheim, wo seine Eltern wohnten. Dort angekommen, zog er sich im Korridor Jackett und Handschuhe aus, hauchte sich noch einmal in die kalten, steif gewordenen Finger und ging in die Stube. Vater Hausmann, Werkmeister bei der Steinfurth-Waggonfabrik, saß im Lehnstuhl. Er hatte die „Königsberger Allgemeine“ vor sich ausgebreitet und studierte mit Andacht die lokalen Nachrichten. Jürgen trat ein, grüßte kurz und setzte sich an den Tisch. Nachdem er einige Zeit vor sich hingesonnen hatte, begann er langsam: „Vater, hast du mal einen Augenblick Zeit?“ Vater Hausmann nahm die Zeitung herunter, schob die Pfeife in den linken Mundwinkel, guckte seinen Sohn über die Brillengläser an und fragte: „Na, Jung, was hast?“ „Ja, Vater . . . was ich sagen wollte . . .“ Jürgen unterbrach sich, als ob ihm für das, was er vorbringen wollte, die rechten Worte fehlten. „Was ich sagen wollte“ . . . ahmte der Vater den Sohn nach, „was wolltest du denn sagen?“ „Ja, Vater, ich hab’ ja nu Ostern ausgelernt, und da haben wir noch den großen Auftrag für die Ziegelei in Kalthof, der wird im Laufe des Sommers fertig, und da wollte ich nun im Herbst zum Arbeitsdienst gehen und dann . . .“ „Und dann?“ „Dann will ich zur Marine.“

 

 
 

U-Boots-Maschinist Fritz Kasten – Ludwig Freiwald

Überall dasselbe Erschrecken, dieselben Befürchtungen kommenden Unheils. Erzherzog Ferdinand, bekannt und verehrt als Marinefreund, ein Zukunft verheißender Thronfolger, hatte die Sympathien aller. An Bord des englischen Linienschiffes „König Georg V.“ kannten viele den Erzherzog persönlich. Aus der Unterhaltung der Gruppen spricht verhaltene Erregung. „Das gibt Krieg zwischen Serbien und Österreich. „Dann greift Russland ein.“ „Die Folge wird sein, dass Deutschland und Frankreich mit hineingezogen werden.“ „Deutschland lässt seinen Verbündeten nicht im Stich.“ „So ein gemeiner Mord.“ „Das ist Prinzip“, antwortet ein englischer Seeoffizier und ahnt nicht, dass er unbewusst den Namen des von einem Geheimbund gedungenen Mörders ausgesprochen. Die Besuche werden abgesagt. Musik und Tanz sind eingestellt. Abends brechen schon die ersten Gäste der Kieler Woche auf. In der Frühe des anderen Tages verlässt der Kaiser Kiel, um nach Wien zu eilen. Am darauffolgenden Tage geht das englische Geschwader in See. Von den deutschen Schiffen weht das Signal: „Glückliche Reise“. Der englische Admiral aber funkt als Abschiedsgruß „Freunde in der Vergangenheit und Freunde für immer!“

 

 
 

Und was der Feind uns angetan – Hans von Zobeltitz

Der Feind im Land! Nicht als stolze Sieger im ehrlichen, offnen Kampf betraten unsere Gegner, betraten Franzosen, Engländer, Amerikaner, Belgier, Italiener, Dänen, Tschechen und Polen den heiligen deutschen Boden. So lange unser Schwert scharf war, waren — außer im winzigen Zipfel unten im Elsass —unsere Grenzen gehütet und geschützt. Erst als Verrat und Lüge es zerbrochen, war die Bahn für die „Überwinder“ frei. Und sie kamen! Keiner in den jetzt besetzten Gebieten wird diese Stunden ihres Kommens vergessen — die Schauer dieser Stunden!

Zuerst sei hier in tiefster Trauer, in innigstem Mitleid gedacht der Gebiete, die vom blutenden Körper der Heimat gänzlich losgerissen wurden, die aber in unserem Herzen stets und immer deutsches Land bleiben werden.

Der Versailler Vertrag! Ein Zeugnis des Schreckens für das schamlose Ausbluten und gieriges Ausplündern eines besiegten Landes und dessen Volkes. Die Saat für einen kommenden Weltkrieg. 

 

 
 

Der Freiheitskampf zur See 1939/40 – Carl Tägert

Herausfordernde Schritte der polnischen Regierung gegenüber Danzig führten Anfang August 1939 zu einer Warnung der Reichsregierung, Polen möge die wirtschaftliche Absperrung Danzigs nicht weiter fortführen. Polen antwortete schroff, es werde jede Einmischung des Reiches als Angriffshandlung betrachten.

Bevorstehende Verhandlungen zwischen Deutschland und Russland waren wahrscheinlich der Grund, dass der englische Ministerpräsident Chamberlain am 22. August an den Führer schrieb, die britische Regierung sei entschlossen, ihre Bündnispflicht gegenüber Polen zu erfüllen, er strebe eine Atmosphäre des Vertrauens an und Lösung der schwebenden Fragen durch Verhandlungen. Der Führer konnte in seiner Antwort auf die eingehenden früheren Vorschläge Deutschlands hinweisen. Wenn Polen sie abgelehnt habe, so sei dies geschehen, weil ihm England durch seine Garantie den Rücken steifte. Seitdem hätten sich Terrorakte gegen Deutsche gehäuft. Deutschland werde sich nicht mehr einschüchtern lassen, seine Lebensrechte zu wahren.

 

 
 

Briefe über die Zustände am französischen Hofe unter Ludwig XIV. – Liselotte von der Pfalz

Wie wird man den Charakter einer Zeit leichter und richtiger erkennen können als aus Briefen und unmittelbaren Mitteilungen urteilsfähiger Menschen. Keine wissenschaftliche Untersuchung, keine langatmige Schilderung vermag so lebendige Bilder aus vergangenen Jahrhunderten so schnell und anschaulich zu entrollen wie ein Scherz, ein lachend Wort, der kurze Bericht selbst erlebter, oft auch beweinter Ereignisse. Dem Vorzuge ihrer lebhaften Sprache, in der die als deutsche Pfalzgräfin geborene und erzogene Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans über die Sitten und ihre Beobachtungen und Erlebnisse am Hofe des Sonnenkönigs plaudert, verdanken es ihre Briefe ganz besonders, dass sie immer wieder von den Geschichtsschreibern, wie Ranke, Schütz, Menzel u. a. m. um Rat befragt wurden und auch heute noch als unversiegbare Quelle historischer Wahrheit in Anspruch genommen werden.

 

 
 

Humoristische Geschichten-Band 4 – Theodor Oelckers

Im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts lebte in Rom ein fremder Herr, ein Sonderling, oder — um ihn ohne solch eine garstige Benennung gleich genauer zu bezeichnen — ein Engländer, der für Jung und Alt eine wohlbekannte und vertraute Erscheinung war und den kein Cicerone unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzuzählen vergaß. Die Gebildeteren, die seinen Namen auszusprechen vermochten, nannten ihn Signor Fairweather, unter dem Volke hieß er nur der „schnupfende Engländer“. Viele wollten behaupten, es müsse nicht ganz richtig im Oberstübchen bei ihm sein, und die höflicheren Leute erklärten ihn wenigstens für ein Original; Alle aber, namentlich die ärmeren Klassen, priesen ihn dabei als eine menschenfreundliche seelengute Haut, die nur auswendig weit kälter und schweigsamer erschien, als man es unter den beweglichen Bewohnern des Südens gewohnt ist.

Mr. Fairweather, wie er sich selbst nannte, wenn er sich in die ihm unangenehme Notwendigkeit versetzt sah, seinen Namen zu nennen, war allem Anschein nach ziemlich wohlhabend und der Volksglaube schrieb ihm einen Reichtum zu, gegen den die Schätze eines Zauberers der arabischen Märchen nur ein Bettel gewesen sein würden; trotzdem lebte der Engländer für seine eigene Person sehr einfach und frugal, obwohl sein Bankier hätte bezeugen können, dass er Geld genug unter die Leute brachte. Übrigens suchte er nie Gesellschaft, am wenigsten vornehme und am allerwenigsten die seiner eigenen Landsleute.

 

 
 

Humoristische Geschichten-Band 3 – Theodor Oelckers

Ottilie, in dem Schranke da hinten in der Kammer sind noch einige Kleidungsstücke von der seligen Frau Bürgermeisterin aufbewahrt, nicht wahr?“ sagte der Herr Bürgermeister Müller zu seiner Tochter. „Ich brauche ein solches Kleid und zwar das allerschlechteste, was vorhanden ist; dazu noch ein Mäntelchen oder ein großes Umschlagetuch und eine alte Haube.“

„Um des Himmels willen, Vater, was willst Du denn damit machen?“ fragte Ottilie, die sich weit erstaunter stellte, als sie es in der Tat war, denn sie ahnte bereits, was der liebe Vater mit den alten Kleidern im Werke hatte.

Der Herr Bürgermeister Müller (dem, beiläufig bemerkt, sein allzu gewöhnlicher Name oft einigen Kummer machte), war erst vor Kurzem zu dem wichtigen Posten gelangt, den er bekleidete. Im Übrigen war er Apotheker und auch als solcher der Einzige im Städtchen

 

 
 

Humoristische Geschichten-Band 2 – Theodor Oelckers

In London lebten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zwei Männer, welche leider, wie es übrigens allenthalben gar vielen Männern begegnet, keinen historischen Ruf erlangt haben, die aber gleichwohl eines solchen nicht ganz unwürdig wären, denn sie haben, wenn auch unwillkürlich, den Anlass zu einer Erfindung gegeben, der man wohl eine welthistorische Bedeutung ebensogut wie mancher andern beilegen darf, die in Wahrheit minder wichtig ist.

Aber auch ohne den fraglichen Gegenstand, von welchem noch die Rede sein wird, waren die beiden Männer schon merkwürdig genug. Sie waren sehr nahe Verwandte, und doch konnte im Grunde keiner von beiden sagen, wie er mit dem andern verwandt war. Das hing aber in folgender Weise zusammen.

Die Mutter des Einen hatte sich gerade zu derselben Zeit, als ihre Tochter mit einem Kaufmanne, Namens Hall, vermählt wurde, selber zum zweiten Male mit einem Arzte verheiratet, welcher Wild hieß. Die beiden Gatten aber, derjenige der Mutter sowohl, als jener der Tochter, waren keineswegs Engländer, sondern beide in Hamburg heimisch und hielten sich nur vorübergehend in England auf, wo beide Geschäfte hatten, der eine im Handel, der andere als Arzt eines reichen Reisenden.

 

 
 

Humoristische Geschichten-Band 1 – Theodor Oelckers

Herr Mittag erhob sich von seinem Stuhle, wie wenn er sich zum Ausgehen anschicken wollte, und alsbald erhob sich auch Fidel in seinem Winkel, wo er bis dahin regungslos zusammengekauert gelegen hatte.

Herr Mittag ist Sprachlehrer und Autographensammler. Ersteres ist er von Beruf, Letzteres aus Liebhaberei. Er behandelt natürlich (wie es alle Liebhaber tun) die Liebhaberei als Hauptsache. Seine Autographensammlung ist sein Stolz und seine Freude, und hätte er nur ein Drittel des Geldes, das ihm diese im Laufe der Jahre mühsam gesammelten, großenteils recht hässlichen, auch wohl schmutzigen Papiere gekostet haben, auf seine Küche verwendet, so würde er selbst und auch der arme Fidel gewiss nicht so erstaunlich hager und mager sein.

Als Sprachlehrer ist er schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit Geschäften überhäuft. Er ist, offen gestanden, ein wenig veraltet und aus der Mode. Seine Sprachen kennt er  ganz gründlich; er spricht auch, namentlich sein Französisch, sehr fließend und korrekt, aber nicht modern, er spricht das klassische Französisch des vorigen Jahrhunderts mit allen veralteten Wörtern und Phrasen, d. h. er hat in den fremden Sprachen das gepuderte Haar, das dreieckige Hütlein, den Degen an der Seite, die kurzen Hosen und Schnallenschuhe noch nicht abgelegt.

 

 
 

Der Tod in Flandern – Adolf Köster

Sie waren sehr verschieden und doch immer beieinander — die vier Primaner. Sie gingen gemeinsam in die Schule, aber sie saßen auf sehr verschiedenen Plätzen. Sie zeichneten sich in sehr verschiedenen Fächern aus, aber sowohl in den Pausen wie auf den abendlichen Spaziergängen sah man sie immer beisammen. Sie regelten alles gemeinsam — die mathematischen Aufgaben und die Religion der Zukunft, Liebeskummer und väterliche Konflikte. Es war ganz selbstverständlich, dass alle vier sich bei demselben Regiment meldeten, als der Krieg ausbrach.

Alle vier wurden angenommen. Das heißt, einen Augenblick sah es aus, als ob Budde Beermann zurückgewiesen werden sollte wegen seiner dicken Brille.

Aber — wie er später sagte — er riss seine Augen mit aller Gewalt zusammen, und so erreichte er gerade noch die richtigen Buchstaben.

Sie wurden zehn Wochen lang ausgebildet. Ihre Gestalten wurden noch länger und hagerer. Aber die Uniform machte sie männlich. Ihre Verschiedenheiten schwanden, weil es keine Zeit mehr gab, über sie zu reden. Sie aßen, tranken, schliefen wie nie in ihrem Leben. Und alle ihre weltenweiten Zukunftsträume  waren verdichtet zu dem einzigen Wunsch: in diesen unbekannten, lockenden Strudel hinein, der sich „Krieg“ nannte.

 

 
 

Auf Luftpatrouille und Weltfahrt – Ernst A. Lehmann

Erlebnisse eines Zeppelinführers in Krieg und Frieden

Es war ein Sonntag hell und klar, wir fuhren aus dem Herbst in den Frühling. Wir hatten keine Fahrgäste an Bord, nur Post, und hielten die Natur zum besten, indem wir den Winter übersprangen und der Zeit im Wettlauf gegen Westen drei gute Stunden abgewannen.

Wir hatten Auftrag, zwischen Afrika und Amerika die Luftpost zu besorgen. Das war, in dieser Form, ein neuer Auftrag, der die Verbundenheit von Fliegerei und Luftschiffahrt verstärkte. Bisher war „Graf Zeppelin“ mit Fahrgästen und Post von Friedrichshafen nach Rio de Janeiro gefahren und von dort zurück — 10 000 Kilometer hin, 10 000 Kilometer her. Jetzt übernahm er sozusagen Urlaubsvertretung. Die Mutterschiffe „Schwabenland“ und „Westfalen“, die den Postfliegern der Deutschen Lufthansa als schwimmende Stützpunkte im Atlantik dienen, wurden für einen Monat zurückgezogen, um überholt zu werden. Während dieser Zeit erledigte „Graf Zeppelin“ an Stelle der Dornier-Wale den Pendeldienst zwischen Bathurst und Pernambuco.

 

 
 

Das flammende Land – Robert Heymann

Die Uhr der Kathedrale Saint Pierre schlug elf, als Dr. Hans Scholz mit großen Schritten über den breiten Platz eilte, um, an dem Rathaus vorüber, in die Rue de la Station einzubiegen.

Er konnte nie an dem Hotel de Ville vorüberkommen, ohne einige Sekunden zu verweilen und die unvergleichliche gotische Fassade zu betrachten, wohl auch einen raschen Blick in die mittelalterliche Säulenhalle zu tun. Heute aber hatte er es eilig. Er hatte kaum ein Auge für das Leben und Treiben auf dem Grand place, denn er hatte sich ohnehin etwas verspätet.

Als er vor dem alten Patrizierhaus stand, das seltsam abstach von den neuen Häusern der weiten Nachbarschaft, da holte er aus seiner inneren Rocktasche ein Schreiben, dann zog er die Klingel. Ein Fenster im Keller öffnete sich und ein spitznasiger Diener fragte mit honigsüßer französischer Höflichkeit nach dem Wunsche des Besuches.

„Ich möchte den Herrn Archivrat Rambaud sprechen.“

„Sofort mein Herr!“

Das schwere Tor öffnete sich. Dr. Scholz wurde in ein schwer und behaglich ausgestattetes Empfangszimmer geleitet. Der Diener ging mit der Karte durch einen endlosen Korridor.

 

 
 

Die Front im Osten – Ludwig Ganghofer

Das Rauschen und Geklapper des Schnellzuges, der mich am Abend aus Berlin davongetragen, dröhnt nach einer sternhellen Frühlingsnacht in den graubeginnenden Tag hinein. Ich konnte nicht schlafen in dieser Nacht. Immer musste ich sinnen, immer den Dingen entgegendenken, die mich erwarten. Und jetzt, da es tagen will und über die Ferne, in der die Schlachtfelder des Ostens liegen, eine erste Verheißung der Sonne hinleuchtet, ist in mir eine seltsame Mischung von erwartungsvoller Freude, von Besorgnis und Hoffnung. Und immer wieder suche ich mir Rechenschaft darüber zu geben, weshalb ich auf die Frage, was ich zuerst im Osten zu sehen wünsche, die rasche und erregte Antwort geben musste: „Zuerst die Karpathen!“

Nur eine Stunde noch! Dann werde ich den Anfang ihrer Hügelketten sehen, den waldigen Zug der Beskiden. Dort war ich einmal, vor vielen Jahren, um einen Bären zu schießen. Gesehen hab‘ ich nur seine Fährte, geschossen hab‘ ich ihn nicht. Der Tag, an dem ich hinreiste, war freundlicher Frühling. Doch am Abend vor dem Jagdmorgen — ich glaube, es war am 3. April — begann es plötzlich mit großen Flocken zu schneien. Das ging so weiter, immer dichter. Drei Tage saßen wir im Forsthaus eingesperrt.

 
 

Der Kriegspilot – Alexander Castell

Der Morgen war nass und feucht. Stephan Hiller stand mit dem Rücken an das offene Tor des Schuppens gelehnt, an dem der Regen niedertropfte. Neben ihm schritt der Wachtposten auf und ab. Er wartete auf den Mechaniker, der mit zwei Soldaten nach der Station gefahren war. Auf der Feldstraße jenseits der Wiese zog seit einer Stunde Artillerie vorbei. Man hörte die Tritte der Pferde herüber, das Knarren der Lafetten, das Klirren von Eisen, aber fast gar keine Kommandos. Die Mannschaften saßen mit müden, vornübergeneigten Oberkörpern auf den Protzen, als wäre jeder einzelne auf seine Art in seinen Gedanken mit dem Kommenden beschäftigt. Batterie um Batterie, Regiment um Regiment fuhr vorüber, und es war Stephan Hiller, als sänke der Zug immer tiefer ein, als würden die Furchen immer größer, auf diesem erst von Tausenden von Menschen zertretenen, dann von ebensoviel Hufen und Rädern durchpflügten Weg, der durch einen Zufall zu diesem plötzlichen und außerordentlichen Schicksal gekommen war.

Ordonnanzreiter sprengten quer über das Feld und gegen den Hügel. In der Ebene gegen den Fluss hin schien sich Infanterie zu bewegen in einem grauen Gewimmel.

 
 

Deutschlands Flotte im Kampf – Hans Bernstorff

Das vorliegende Buch verdankt seine Entstehung dem Wunsch, von neuem das deutsche Volk in seiner Gesamtheit auf die Bedeutung und die Notwendigkeit des Bestehens einer starken Flotte hinzuweisen, für welche der Verfasser seit einer Reihe von Jahren in Wort und Schrift eingetreten ist.

Da bis heute eine allen Anforderungen genügende Flotte moderner Kriegsfahrzeuge noch nicht vorhanden ist, konnte die Ausführung nur in Form  einer „Phantasie“ erfolgen. Von der Phantasie hat sich jedoch der Verfasser nur bei denjenigen Schilderungen leiten lassen, welche sich speziell auf die verwendeten Schiffstypen und ihre Leistungen beziehen, während er sich bemühte, in der Darstellung  der durch eine Unterbindung unseres Überseehandels entstehenden Notlage der deutschen Industrie nur die Wirklichkeit wiederzugeben, wie sie seiner innersten, unerschütterlichen Überzeugung nach eintreten wird und muss, sobald auch nur für kurze Zeit der freie Seeverkehr für Deutschlands Handel gesperrt wird.

 
 

Der Tod in den Lüften – Alexander Castell

Als Plessen die Augen öffnete, war es um ihn halbdunkel. Er hob den Kopf und suchte sich mit den Händen aufzustützen. Da empfand er einen brennenden Schmerz in der linken Hüfte. Wie ein Stich fuhr es ihm durch den Körper. Er war plötzlich so schwach, dass er sich wieder ins Gestrüpp zurücklegte. Liegend knöpfte er sich den Rock auf. Das Hemd war aufgerissen und voll Blut. Wie er zusah, konstatierte er eine ziemlich lange Hüftwunde. Die Bauchdecke war aufgerissen. Die schmale Ritze war mit Blut verklebt. Eine stärkere Blutung schien nach innen gegangen zu sein. Er legte die Fetzen des Hemdes zurecht, knöpfte den Rock sorgsam zu . . . da überkam ihn wieder ein Schwächeanfall. Zitternde graue Farben vibrierten vor seinen Augen. Er musste wieder eine Viertelstunde stilliegen. Dann versuchte er aufzustehen.

 
 

Die Stadt unter dem Meere – Joseph Delmont

Das ganze Land war in Aufregung. Innerhalb dreier Monate waren vier Mädchen und eine junge Kriegerwitwe aus der Gegend plötzlich und spurlos verschwunden.

Eine aus einem kleinen Dorf bei Cimola, zwei aus der Nähe von Bergeggi, eine aus Pia und heute Emilia Rossi.

Alles ganz arme Mädchen. Auch die Kriegerwitwe war als sehr arm bekannt.

Anfangs beschäftigten sich nur die Lokalbehörden mit dem Verschwinden der ersten Zwei. Später nahm die Polizei von Savona die Sache in die Hand und jetzt wurde bereits Rom alarmiert.

Alle möglichen Vermutungen wurden laut. Man sprach von einem geheimnisvollen Mörder à la „Jack the ripper“. Einzelne wollten ein Ungeheuer aus dem Meere haben kommen sehen, das mit 30 bis 50 Meter langen Fangarmen wie ein Oktopus seine Opfer ins Meer gezogen.

Diesen Aussagen wurde von den Behörden keine Beachtung geschenkt, alle Hypothesen dieser Art kamen nicht in Frage. War doch das Mädchen aus Cimola gar nicht in die Nähe des Meeres gekommen. Cimola lag weit über fünf Wegstunden vom Meere entfernt.

Seit Wochen waren Streifen zu Wasser und zu Lande unterwegs. Nichts, auch nicht die geringste Spur von Räubern ward entdeckt.

Selbstmorde der Verschwundenen kamen nicht in Betracht. Alle fünf waren als lebenslustig bekannt.

 
 

Verdächtig – Ernst Fritze

Im Jahre 183. war die Weinstube von Bär am Breitenwege das beliebteste und besuchteste Lokal der Stadt. Man fand dort zwar, wie an den meisten derartigen Orten, eine gemischte Gesellschaft; jedoch der Umstand, dass die sogenannten Stammgäste zu den höheren Kreisen zählten, wirkte wohltuend auf den allgemeinen Ton daselbst. — Die Unterhaltung war stets lebhaft, ohne lärmend zu werden — der Humor, selbst wenn er sich bis zu Witzeleien und Spöttereien verstieg, wurde durch die Regeln des feineren Anstandes in Schranken gehalten und artete niemals zu Beleidigungen und Unarten aus. Politische Meinungen, welche so leicht in der Hitze des Gespräches zu Zänkereien Veranlassung gaben, traten damals noch nicht so offen beim Glase Wein ans Tageslicht, wie jetzt beim Glase Bier. Der Absolutismus hielt seine schwere Hand noch auf freimütige Bekenntnisse und hemmte die freien Strömungen des öffentlichen Verkehrs. Es träumte zwar Mancher schon von Freiheit und deutscher Einigkeit, es schwärmten zwar Viele schon für die Kämpfe und Siege einer Volksmacht, aber im Allgemeinen verstiegen sich die klugen Leute in ihren Wünschen und Kombinationen nie weiter, als es sich mit ihren Berufsverhältnissen vertrug. Liberale Anschauungen wurden bespöttelt und freisinnige Richtungen verachtet, weil sie ohne Erfolg blieben.

 
 

Die Schlachten bei Metz – Karl Pauli

Mit großen Worten, glänzenden Versprechungen zogen die Franzosen in Elsaß-Lothringen in echt französischer Weise ein. Flieger flogen dem Heere voran, über Städte und Dörfer Flugblätter auswerfend, auf denen zu lesen stand:

„Kinder des Elsaß! Nach 44 Jahren schmerzlichen Wartens betreten französische Soldaten wiederum den Boden Eures edlen Landes. Sie sind die ersten Arbeiter des großen Werkes der Revanche, das sie mit Rührung und Stolz erfüllt. Um dieses Werk zu vollbringen, geben sie ihr Leben dahin, die französische Nation steht einmütig hinter ihnen und auf ihren Fahnen steht zu lesen: Recht und Freiheit! Es lebe Elsaß — es lebe Frankreich! Der Französische Generalissimus Joffre.“

Ob die auf diese Weise beglückten Elsässer den Worten der Franzosen ohne weiteres Glauben schenkten, bleibe dahingestellt, jedenfalls taten es nicht alle, denn ein Teil der Bewohner der Grenzdistrikte ergriff die Flucht und rettete sich in die Städte oder das Innere des Landes, um sich der Berührung mit den einrückenden Truppen zu entziehen, nur einer blieb, ein in der ganzen Umgegend beliebter Gastwirt in Lauchensee, und an dessen Schicksal konnte man erkennen, wie sehr es den Franzosen ernst war, ihre Versprechungen bezüglich des Schutzes der Einwohner des Elsaß zu erfüllen, und gleich zu Anfang zu zeigen, was man von den einziehenden Befreiern zu erwarten hatte.

 
 

Im Kampf ums Vaterland 1914 – Otto Promber

Von Hass verblendete Männer schossen im Schutz ihrer Häuser auf die dahinziehenden Truppen und es kam sogar vor, dass Frauen kochendes Wasser aus den Fenstern auf die Soldaten gossen. Diesen „Franktireurs“ wurde bald der verdiente Lohn zuteil. Man stürmte die Häuser, schoss sie in Trümmer oder steckte sie in Brand. Zahlreiche Zivilisten wurden standrechtlich erschossen. Natürlich musste auch mancher Unschuldige darunter leiden, da oft keiner den Schuldigen verriet und die kurze Zeit des Aufenthalts zu einem raschen Urteil drängte.

Trotz allen strengen Maßnahmen wiederholten sich die tückischen Überfälle noch oft. Freundlich lächelnd kamen zuweilen die Belgier den Soldaten entgegen, um sie dann im Rücken zu beschießen. Man hing weiße Fahnen zum Zeichen friedlicher Absichten aus den Fenstern und schoss bei sich bietender Gelegenheit aus denselben.

Den Hass der Meuchelmörder können wir wohl begreiflich finden, nicht aber die Dummheit, die dieses Verhalten kennzeichnet. Denn was wollten einzelne gegen ein Heer ausrichten?

 
 

Kampf um Danzig – Hugo Landgraf

Hugo Landgraf, erlebt als Augenzeuge die ersten Minuten des Kriegsbeginns 1939. Als Rundfunkberichterstatter schildert er das dramatische Geschehen. Die ersten Stunden des Weltkriegs werden als Loslösung der Fessel des Versailler Vertrags betrachtet, zu welchem der italienische Ministerpräsident und Teilnehmer der Versailler Konferenz Francesco Nitti bereits Folgendes bemerkte: „Noch niemals ist ein ernstlicher und dauerhafter Friede auf die Ausplünderung, die Quälerei und den Ruin eines besiegten, geschweige denn eines besiegten großen Volkes gegründet worden. Und dies und nichts anderes ist der Vertrag von Versailles.“

Ein Moment der höchsten Nervenanspannung entlädt sich am 1. September 1939, als das Linienschiff „Schleswig Holstein“ das Feuer auf den befestigten polnischen Stützpunkt auf der Westerplatte bei Danzig eröffnet. Zwei Tage später erklären England und Frankreich Deutschland den Krieg. Die Reaktion folgt umgehend: „Die deutsche Reichsregierung und das deutsche Volk lehnen es ab, von der britischen Regierung ultimative Forderungen entgegenzunehmen oder gar zu erfüllen. Jede Angriffshandlung Englands wird mit den gleichen Waffen und in der gleichen Form beantwortet!“

 
 

Tigerflagge heiß vor! – Hans Bartels

Der Kommandant des Minensuchbootes “M 1” Hans Bartels berichtet von seinen Einsätzen während des Zweiten Weltkrieges. Im August 1939 übernimmt er bei seinem ersten Einsatz mit der 1. Minensuchbootflottille die U-Boot-Sicherung auf dem Weg zum Danziger Hafen. Später zeichnet sich Bartels durch seine Operationen in Norwegen aus, sodass ihm im Mai 1940 das Ritterkreuz verliehen wird. Besonders erfolgreich taten sich Boot und Besatzung bei der Minensuche, Küsten- und Geleitschutz und bei der U-Boot-Jagd in den norwegischen Gewässern hervor. Anerkennend trug ihnen das den Ehrennamen „Tiger der Fjorde“ ein. Fortan führte „M 1“ eine selbst entworfene Tigerflagge.

 
 

Blaue Jungen schlagen Polen – Hans Steen

Für das Verständnis, weshalb die deutschen Bewohner Danzigs und des „Korridors“ den Einmarsch der deutschen Truppen nicht als Überfall, sondern als Befreiung betrachteten, ist die Vorgeschichte unerlässlich.
Der nach dem Ende des Ersten Weltkrieges durch den Versailler Vertrag entstandene Korridor trennte Ostpreußen und die Freie Stadt Danzig vom übrigen Deutschen Reich ab. Infolgedessen wurden bis in die 1930er Jahre Hunderttausende Deutsche aus den ehemals deutschen Korridorgebieten vertrieben. Jegliche Verhandlungen zur Beendigung dieser „Säuberungen“ wurden von polnischer Seite abgelehnt. Darunter der deutsche „Sechzehn-Punkte-Vorschlag“ vom 29. August 1939. Der Vorschlag vom 30. August, auf sämtliche seit 1919 verlorenen Gebiete, außer Westpreußen und Danzig zu verzichten, wurde ebenso abgelehnt. Sowie auch die Ablehnung des letzten Verhandlungsangebots vom 31. August 1939 zur friedlichen Lösung der „Korridorfrage“. Die zahlreichen Äußerungen führender polnischer Militärs geben einen Einblick für den Grund der Ablehnungen. Marschall Piłsudskis Bemühungen für einen Krieg gegen Deutschland wurden bereits 1930 öffentlich. „Unser Ideal ist, Polen mit Grenzen an der Oder im Westen und der Neiße in der Lausitz abzurunden und Preußen vom Pregel bis zur Spree einzuverleiben. In diesem Krieg werden keine Gefangenen genommen, es wird kein Platz für humanitäre Gefühle sein. Wir werden die ganze Welt mit unserem Krieg gegen Deutschland überraschen.“ Ebenso äußerte sich der Generalinspekteur der polnischen Armee Rydz-Śmigły im Sommer 1939 folgendermaßen; „Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht vermeiden können, selbst wenn es das wollte.“

 
 

Kriegserinnerungen aus 1870/71 – Otto Elster

Das Gefecht war zu Ende! Die Franzosen hatten sich wieder nach ihrer Postenkette zurückgezogen, und auch wir marschierten durch den dämmernden Morgen in unsere alten Stellungen, Ein schwarzer, rauchender Trümmerhaufen lag das unglückselige Dorf da. Von dem Fähnrich von Nerrlich, dem lustigen, jungen Blut, der mit so frohen Hoffnungen hinausgezogen war in den Krieg für König und Vaterland, haben wir nichts wieder gesehen. Die Frau, welche er mit Aufopferung seines eigenen Lebens gerettet hatte, eine siebzigjährige Greisin, überlebte die entsetzliche Nacht ebenfalls nicht; sie erlag den erlittenen Brandwunden.

Als nach der Kapitulation von Metz die Bewohner wieder in das zerstörte Dorf einzogen und die Trümmer aufräumten, da fanden sie auch die verkohlten Überreste des Jünglings. Wir begruben ihn in dem schattigen Park welcher das Gehöft, in dem er den Tod gefunden, umgab. Drei knatternde Salven waren der letzte Gruß an den tapfern Kameraden.

Der alte Maire des Dorfes wohnte dem Begräbnis bei. Gleichmütig wandte er sich ab, als ich zu ihm trat, um ihn zu bitten, für das Grab Sorge zu tragen, und sprach: „C’est la guerre, monsieur.“ —

 
 

Lissa – Friedrich Regensberg

Trafalgar—Lissa—Tsuschima! Diese drei Schlachtennamen bedeuten zugleich Marksteine in der neuzeitlichen Entwicklungsgeschichte der Kriegsmarine und der Seetaktik. In der Schlacht bei Trafalgar (21. Okt. 1805), die noch in die Glanzzeit der Segelschiffsflotten fiel, schlug Nelson die vereinigte französische und spanische Flotte entscheidend und sicherte dadurch Englands unumschränkte Herrschaft über die See. Ein Jahrhundert später fiel dann die eigentliche Entscheidung im ostasiatischen Kriege nicht in der Mandschurei, sondern auf dem Meere, indem die japanische Flotte unter Admiral Togo am 27. und 28. Mai 1905 die russische bei der Insel Tsuschima in der Straße von Korea vernichtete.

In der Zeit zwischen der Schlacht von Trafalgar, die ein Ende machte mit der Draufgängertaktik der Engländer im 18. Jahrhundert, und der größten Seeschlacht der Neuzeit hat sich eine völlige Umgestaltung der Mittel und Waffen des Seekrieges vollzogen durch die Einführung des Dampfes als Motor und den Wettstreit zwischen Panzer und Artillerie. Dieser nahm seinen Anfang, als gegen die Sprenggeschosse von Paixhans’ Bombenkanonen Holzschiffe nicht mehr brauchbar erschienen. 1858 ward die erste Panzerfregatte erbaut; 1861 das erste gepanzerte Turmschiff („Monitor“) im amerikanischen Sezessionskriege, in dem das Zusammenwirken von Heer und Flotte entscheidend gewesen ist, und der zugunsten des Nordens endete, weil diesem schließlich die Seeherrschaft zufiel. Das gewaltige Ringen der Union mit den Konföderierten ist zur See nur ein Küstenkrieg gewesen; schon begegnen wir in ihm aber den neuen Waffen des Seekrieges: Dampfkraft, Panzer und Sporn, Torpedo und Mine, auch das Unterseeboot erscheint, jedoch alles noch in technischen Anfängen.

 
 

Die Deutschen in Russland, 1812 – Paul Holzhausen

Leben und Leiden auf der Moskauer Heerfahrt

Anno 12, Es ist kein Feldzug, der so abgrundtief in der Seele der Völker und des Volkes geschrieben steht wie dieser. Nicht der Krieg, den der große Friedrich mit den Österreichern, Franzosen und Russen, mit den feinfrisierten Marquis Louis Quinze, mit den wilden Kroaten und Fanduren der Maria Theresia führte, nicht das Jahr der Leipziger Schlacht, nicht die Kampagne von Waterloo, nicht 1870. Keiner.

Mochten sie heimkehren, die da hinausgezogen, oder auf dem Felde der Ehre gefallen sein — man wusste, wo sie geblieben, da und dort, bei Lützen oder Bautzen, in dem Kampf mit der alten Garde bei Plancenoit oder um Metz, Sedan, vor Paris. In der großen Mehrzahl der Fälle wusste man das. Mit dem Unabänderlichen weiß der Mensch sich abzufinden.

Anders nach Anno 12. Disparu pendant la retraite, en arriere Sans nouvelles 1812 usw. — das sind die Randzeichnungen, die man in den Stammlisten französischer Regimenter bei zahllosen Namen in den Archiven findet. Ein norddeutscher Dichter hat das Wort in seiner ganzen schauerlichen Tragik übersetzt — Fritz Reuter. In der »Franzosentid« fragt der Amtshauptmann den »Möller Voß« nach seinem Sohne Karl. »Korlen hewwen de Franzosen mitnahmen nach Russland,« erwidert der alte Müller, »un hei ‘s nich wedder kamen«.

»Nicht wiedergekommen«! Das war das schreckliche Wort, das in Tausenden deutscher Familien damals umging, das von Vätern, Müttern, Schwestern, Bräuten unter Tränen wiederholt wurde.

 
 

Kriegserinnerungen an 1870/71 – Friedrich Leo

Als ich gestern Abend, eben angekommen, im Hotelgarten bei sinkender Sonne Tee trank und zusah, wie der Mond sich über den Bergen vergoldete, da hörte ich einen älteren Herrn an einem benachbarten Tisch seiner Familie vom Jahre 1870 erzählen: als der Kriegslärm entstand, seien die Papiere sehr gefallen, dann seien sie, als der Prinz von Hohenzollern auf das spanische Königreich verzichtete, auf einmal sehr gestiegen; das habe aber nichts geholfen, denn dann sei der Krieg doch gekommen. Da dachte ich, dass ich meinen Kindern ebenso gut meine Erinnerungen an den Krieg erzählen könnte. Um so näher lag mir das, als ich noch am Tage vor meiner Abreise darum gemahnt worden war; und Zeit habe ich hier, wenn auch weder eine Kriegsgeschichte noch eine Karte von Frankreich noch auch meine eignen Feldbriefe, die, so wenig und kurz sie sind, doch hier und da ein Erinnerungsfädchen hervorzupfen oder zwei anein­ander binden könnten. Ohnedies wird jeder Historiker Erinnerungen, die 35 Jahre alt geworden sind, mit Misstrauen ansehn. Aber diese Eindrücke drangen freilich tief, und es ist mir noch heute oft so, wie wenn die damals erlebten Dinge im Gedächtnis jünger wären als vieles aus späterer Lebenszeit.

 
 

Bürgerin Louise – Edward Stilgebauer

Das Haupt der Österreicherin, von der das Volk behauptete, sie habe all das namenlose Leid über Frankreich gebracht, war gefallen. Dreimal machte der Gehilfe des Henkers den Rundgang um das Schafott und hob den blutbesudelten Kopf in die Höhe, der einst das Entzücken von ganz Europa gewesen. „Es lebe die Republik, es lebe die Freiheit!“ scholl es ihm in vielhundertstimmigem Rufe entgegen. Der Jubel des Volkes erfüllte den Revolutionsplatz, er drang bis in die Tuilerien und brach sich an den festen Mauern des Temple, hinter denen die Kinder der Gerichteten in Ungewissheit ihres ferneren Schicksals harrten. Ganz Paris war auf den Beinen. Auf den Dächern der Häuser, in den Kronen der Ulmen hatten sich die Menschen mühevoll ihr Plätzchen erklettert. Und nun war es geschehen, das seit Monden erstrebte Ziel war erreicht. Revolutionstribunal und Konvent hatten das immer und immer wieder Verlangte bewilligt. Das Haupt der bis in den Tod verhassten Fremden war in den Kot der Straße gerollt. Robespierre, der Unbestechliche, hatte auch dieses letzte Opfer gebracht.

Es war in der Mittagsstunde. Man schrieb den 16. Oktober 1793, und die Uhr zeigte ein Viertel auf eins.

 
 

Der Weltkrieg in den Lüften – Rudolf Martin

Als am Abend des 4. November die Berliner Extrablätter der Welt verkündeten, dass der Reichskanzler zur Aufrechterhaltung des Friedens um jeden Preis entschlossen sei, hatte gegen 9 Uhr abends Graf Zeppelin die gesamte Arbeiterschaft seiner riesenhaften Werftanlagen nach Beendigung der Tagesarbeit nochmals in die Fabriken rufen lassen. In der großen Mittelhalle der Werft, die eine Länge von 500 Meter hat, versammelten sich die tausend Mitarbeiter des berühmten Generals und Luftadmirals. In sechs Reihen standen sie in einem Karree und harrten mit Spannung der Dinge, die da kommen sollten.

In dem weiten Anbau eine Treppe hoch war das Hauptbüro des alten Grafen. Hier wurde heut fieberhaft gearbeitet. Alle Konstrukteure und Zeichner waren in Tätigkeit. In dem Arbeitszimmer des Grafen waren die Direktoren Kolzmann und Dürr und die Ingenieure Kober und Stahl. Der 78jährige Graf war immer so rüstig wie zur Zeit seiner großen Erfolge im Jahre 1908. Wer ihn aber scharf beobachtete, der konnte bemerken, dass heut seine Erregung größer war als damals, wo die Explosion von Echterdingen die Hoffnung und den Stolz seines Lebens zu zerstören schien.

Als man dem Grafen meldete, dass die Arbeiter versammelt seien, fragte der Graf noch einmal den Direktor Dürre: „Glauben Sie wirklich, dass tausend Arbeiter reinen Mund halten können?“

 
 

Inferno – Edward Stilgebauer

Trotz der Gefahr, sich den heranfliegenden Geschossen durch eine unbedachte Bewegung auszusetzen, heben die Leute die Stiefel in die Höhe, zeigen den Zunächststehenden die völlig nass gewordenen Füße und begrüßen so das Vernichtung bringende Element.

Unermüdlich feuert der Feind. Er scheint noch nichts zu bemerken von dem gigantischen Gegner, der sich jetzt gegen ihn aufgemacht hat, der ihn sicher und unentrinnbar vernichten und was sich noch retten kann, zum Rückzug von Flanderns letztem Fetzen freier Erde zwingen wird.

Ahnt er noch nichts?

Das Wasser in den Schützengräben steigt und steigt, von Stunde zu Stunde, und dann schon von Minute zu Minute, sichtlich steigt es und alle Herzen der Verteidiger füllt die jauchzende Freude.

Das Land hat sich endlich vollgesogen an den Wassern des Ozeans und es gibt diese Wasser aus den Tiefen seines Herzens, als seien sie dieses Landes Lebensblut, in die Gräben ab, die sich füllen und füllen.

Man lädt und schießt, man schießt und lädt wieder . ..

Schon steht einem das Wasser bis an die Knie, die Hände sind eiskalt, so dass man die Waffen kaum mehr zu halten vermag, und die Beine schlottern, aber man harrt aus und schießt weiter.

Merkt der Feind es denn immer noch nicht?

 
 

Wir Wehr-Wölfe – Peter von Heydebreck

Erinnerungen eines Freikorps-Führers

Der Sommer ging, es ist Herbst 1920. Die Heeresverminderung wurde Tatsache, die Freikorps sind aufgelöst. Der Frontsoldat liegt auf der Straße, weil der Terror der Gewerkschaften ihm die Arbeitsstellen verschließt. Ganze Belegschaften großer Werke werden gegen ihn zum Streik aufgerufen. Von Fabrikhöfen, aus staatlichen und kommunalen Betrieben, ja selbst von Bauplätzen jagen sie ihn. Wo immer er sich sehen lässt, ist er Freiwild. — „Dank des Vaterlandes“, sagt er verbittert. Es ist der Dank der Republik an ihre Noskes. Einzig die Landwirtschaft nimmt die verfemten Freikorpskämpfer auf. So gehen sie, zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen, auf die Güter der Junker, in die Bauerndörfer Ostelbiens, nach Pommern und Mecklenburg, in die Mark und nach Preußen. Im Zug dieser hunderttausend heimatlosen Soldaten bin ich mit meinen Kameraden in die Niederlausitz gekommen, wir haben in Pförten und Umgegend Aufnahme gefunden.

Ich bin nun nicht mehr Offizier, habe den Abschied erhalten. Ich bin Privatmann geworden, ohne es recht zu merken. Fern jeder Sentimentalität zog ich den Rock aus. Hatte ich mich doch schon lange losgelöst! Der nachrevolutionären Söldnerarmee fühlte ich mich innerlich nie verbunden, einzig meiner eigenen Freischar wusste ich mich zugehörig. Eigentlich legte ich nur die Achselstücke ab, denn Soldat bin ich weiter, versinkt und unter härteren Bedingungen, das ist der ganze Unterschied. So denken wir in den Arbeitsgemeinschaften alle. Das letzte Wort über die Republik ist noch nicht gesprochen. Wir warten.

 
 

Freikorps Maercker – Ferdinand Crasemann

Erlebnisse und Erfahrungen eines Freikorpsoffiziers seit der Revolution

Die Frontsoldaten sind durch die Novemberereignisse nicht überrascht worden. Schon Jahr und  Tag haben wir unsere schweren Sorgen mit uns durch die Gräben getragen, abends im Unterstand sorgenvolle Worte und Gedanken getauscht. Schweren Herzens kam ich im Jahr 1917 und 1918 vom Urlaub ins Feld zurück. Der Anblick der Heimat, wo sich die Disziplin in den Ersatztruppen zusehends verschlechterte, Drückeberger die Großstädte überfluteten (Berlin war auf den Straßen schwarz von gesunden Zivilisten), wo ich besonders in meiner Vaterstadt sah, wie durch das unglücklichste aller Handelssysteme, die Kriegsgesellschaften, der letzte Handel vernichtet wurde, nachdem mit Streichen der deutschen Flagge auf den Meeren der Auslandshandel verschwunden war — dieser Anblick weckte in mir die schwersten Sorgen, ganz abgesehen von den trüben Nachrichten, die Kameraden von der Marine mir aus Kiel und Wilhelmshaven brachten. Aber noch war die Front intakt, bis dann auch in ihr, ganz besonders durch Einstellung der aus Russland zurückgekehrten Kriegsgefangenen, das Gift der Zersetzung anfing zu wirken. Doch das gewaltige Band der  Kameradschaft, das Offizier und Mann der Fronttruppen umschloss, hielt noch die kämpfende Armee zusammen.

 
 

Bob, der Sonderling – Hugo Bertsch

Seine Geschichte und seine Gedanken

Oft, wenn ich jetzt in stillen, betrachtenden Stunden an jenen seltsamen Mann im groben, geflickten Arbeitskittel denke, wenn ich mir seine Gestalt, seine Worte, Blicke, Bewegungen so recht lebhaft wieder ins Gedächtnis zurückrufe, da überkommt mich der Wahn, als schwebe sein Wesen in der Luft; ich atme es ein; ich fühle es um meine Stirne fächeln; ich höre des längst Verstorbenen Stimme mahnend und prophetisch in meine Ohren tönen; ich schauere unter dem Seherblick seiner Augen, die unwiderstehlich aus den Grund der Seele tauchen, alle Regungen darin lesend wie ein aufgeschlagenes Buch.

Und mehr noch sehe ich: hinter diesem Menschen erblicke ich die Menschheit.

 
 

M.G.K. – Franz Seldte

Wir waren bis Ende 1914 von der großen deutschen Begeisterung getragen. Wir begriffen Anfang 1915, dass die Begeisterung verflogen war und die Pflicht als oberster Begriff an ihre Stelle zu treten hatte.

Und dann — nach der großen Sommeschlacht — wurden wir die harten Frontsoldaten, die vollendeten Beherrscher der Kriegsmaterie, deren Einblicke, Sorgen, Zweifel und eigene Ansichten schon damals jene innere Wandlung vorbereiteten, die uns in der Nachkriegszeit zum bewussten deutschen Staatsbürger werden ließ.

Der Krieg ist ganz anders gewesen, als wir ihn uns gedacht hatten.

Wir gingen mit Schwung hinein. Wir wollten siegen und wir wollten Weihnachten 1914 wieder in der Heimat sein. Alles ganz einfach gedacht.

Es ist alles anders gekommen.

Der Krieg hat uns Frontsoldaten bis ins Mark getroffen, aber er hat uns nicht gebrochen.

Er konnte es auch nicht, denn wir waren zwar seine Söhne, aber auch seine Meister.

Er konnte uns nicht zerbrechen, denn durch ihn sind wir Frontsoldaten ja erst zu dem geworden, was und wie wir sind — durch ihn: den Vater aller Dinge.

Wir Frontsoldaten haben den Krieg bestanden.

 
 

Im Hexenkessel der Granaten – Hans Henning von Grote

Als das deutsche Volk im August 1914, wahrhaft einig in seinen Stämmen, auszog, um die bedrohte Heimat zu schützen gegen den Ansturm der ganzen Welt, war es in erster Linie seine Jugend, die ihre Leiber den Granaten entgegenwarf. Sie kam von überall her, aus Häusern und Hütten, und fragte nicht nach arm und reich. Unter dem feldgrauen Rock, der alle umschloss, hämmerten die Herzen im gleichen Takt, ging durch das Blut ein einziger Schlag, und er galt nur Deutschland!

Jugend wurde zum Mann, schier über Nacht. Als auf den Gefilden Flanderns und überall dort, wo deutsche Heere stritten und litten, das mordende Eisen die Jungen des großen Krieges zerschlug, ward in den wenigen Überlebenden, ward in uns das Neue und Große geboren und unterschied sich schon, ohne dass wir im Sturm der Zeit Muße gefunden hätten, groß darüber zu reden und zu deuteln, von den Zielen, für die unsere Väter, die wir ehren, gleich uns ruhmreich gekämpft hatten. In dem Kriegsheer der Jugend und der Freiwilligen wuchs, noch unsichtbar, aus Gemeinschaft und grimmig besiegter Not ein neues Volk, aus ihm wurde die deutsche Nation geboren.

Der Krieg ging dennoch verloren, und das Heer ward zerschlagen; denn die Heimat, die hinter ihm stehen sollte, verzehrte sich in Irrung und Hader und begriff das Neue nicht.

 
 

Gesegnete Waffen – Robert Heymann

Als in den schwülen Augusttagen 1914 der europäische Sturm losbrach, weilte ich an den mecklenburgischen Seen. Ich erlebte das erst bedächtige, dann ungestüme kriegerische Erwachen der Seele einer kleinen Stadt. Ich eilte nach Berlin und wurde Zeuge der unvergesslichen, historischen Nachtstunden unter dem Kaiserlichen Schloss. Sah die feldgrauen Legionen die Linden entlang durchs Brandenburger Tor rücken, mit leuchtenden Augen. Rosen glühten auf den Waffen, die der helle Glaube und die gottergebene Zuversicht einer Nation gesegnet hatte. Unter den Rossen der Dragoner lagen die roten Nelken wie ein Teppich. Blonde Mädchen liefen nebenher, Väter und Mütter standen zu beiden Seiten der Straßen. „Kehrt wieder,“ stammelten die Lippen — blühende und welke. Ich erlebte das tiefe Atemholen eines Volkes, das von einer feindlichen Welt umstellt war. Eingekeilt von Raubstaaten, aufgeteilt bereits von der frivolen Siegessicherheit erdrückender Übermacht. Und dann brach der Sturm los. .

 
 

Bunker 17 – Karl Bröger

Geschichte einer Kameradschaft

Der Bunker lag in hellster Vormittagssonne. Doch aus fünf Schritt Nähe war er kaum von seiner Umgebung zu trennen. Der graubraune Betonklotz schmiegte sich einer ebenso graubraunen Erdwelle ein und ragte keinen halben Meter darüber hinaus. Hinter dem Bunker begann ein schmaler Laufgraben, nicht breiter als eines schmächtigen Mannes Schultern. Diesen Graben ging der Schütze Scharf geduckt entlang.

An der angenehm erwärmten Rückwand des Bunkers lehnte der Unteroffizier und winkte Scharf zu. Scharf bog eben um die Ecke und verschwand im Trichterfeld. Im Eingang des Bunkers, halb drinnen, halb draußen, lag bäuchlings der Sanitätsgefreite Hiesinger. Er sog an einer feuchten Zigarette und spuckte kunstvoll nach den fetten Schmeißfliegen, die schwerfällig surrend um den Bunkereingang schwirrten.

„Wird ein heißer Tag heut noch, Hiesinger . . .

 
 

Der serbische Feldzug – Rudolf Dammert

Tausend und eine Nacht möchte man erzählen von den gespenstischen Helden, die in den Sturmnächten des Oktober wie ein Geisterheer über die Save und Donau brausten, Schlag auf Schlag die Wehrkraft eines schuldbeladenen Volkes zerbrochen und die Pforte zum Morgenlande öffneten. Das Lied der Braven darf in der Fülle des Kriegsgeschehens nicht untertauchen. Es soll durch die heimatlichen Städte und Dörfer klingen wie Glocken, die zur Andacht rufen. Vielleicht dringt es in dieses oder jenes Stäbchen, wo es still und einsam ist, wo Tag und Nacht ein inniges herzbewegtes Gedenken schützend die Arme breitete und alle Liebe das Leid nicht zu bannen vermochte. Da möge es den Tausenden erzählen vom Tod und der heldenhaften Verklärung, ihnen Kunde bringen von der Größe des Geschenkes, das sie dem Vaterlande als ihr Opfer hingaben.

Denen, die zurückkehren, möchte das Buch lebendig erhalten, was in der Leidenschaft des Erkämpfens vielleicht nur in Umrissen haften blieb, ein Vermächtnis schwerer, aber siegbeglückter Tage.

 
 

Drei Straßen des Krieges – Max Osborn

Aus dem dichten und verschlungenen Wegenetz, durch das sich die Blutspuren des Krieges an der Westfront im letzten Jahre zogen, heben sich drei Hauptstraßen weithin sichtbar heraus. Sie führten durch das Artois vor Arras, führten durch Flandern und durch die Champagne — durch die Landschaften, in denen Angriff der Feinde und Abwehr der Unsern die schwersten Zusammenstöße der Heeresmassen brachten.

Als eine Auswahl der Berichte, die ich im gleichen Zeitraum für die „Vossische Zeitung“ schrieb, erscheinen hier die Schilderungen aus diesen Kampfgebieten in drei Gruppen vereinigt und geschieden. Vor Arras habe ich im Frühsommer die Durchbruchsversuche der Franzosen und in den letzten Wochen den Beginn des neuen deutschen Vorstoßes, in der Champagne die große Herbstoffensive des Gegners, in Flandern den Nachhall unserer siegreichen April-Schlacht bei Ypern und das Ringen des Stellungskrieges miterlebt.

 
 

Eisern fallen die Würfel – Victor Helling

Etwas Ungeheuerliches lag in der Luft. In unsagbarer Spannung, die nun schon seit Wochen über der ganzen Welt lastete, harrte Deutschland seiner Schicksalsstunde entgegen. In fieberhafter Erregung drängte und wogte die Menge „Unter den Linden“, über die die Sonne des ersten August ihr goldenes Füllhorn ausgegossen hatte.

Das war nicht mehr der gewohnte Pulsschlag des großstädtischen Verkehrs, nicht mehr die Luft, die vom Weltleben der Großstadt bebt, waren nicht mehr die Menschen, die hier im gewohnten Gleis gehen und hasten und dahinfluten, nicht mehr Arbeit und Vergnügen, Streben und Müßiggang, Hass und Liebe, die den Strom der Hunderte und Tausende dahin- gleiten ließ: — ein Meer der Erregung und der Bewegung brauste durch die Gassen.

Seit gestern Mittag hatte der Kaiser, jäh seine Nordlandsfahrt unterbrechend, und nach Potsdam eilend, den Kriegszustand in Deutschland erklärt. Trommelschlag und Trompetenschall hatten es der atemlos harrenden Menge an der Zeughaus-Wache verkündet, und anfangs schien es, als hätte sich damit die elektrische Stimmung lösen wollen, die seit zehn Tagen über der Reichshauptstadt gelegen hatte. Wie eine Lawine hatte sich die Nachricht donnernd durch die sonnenbeschienene Stadt gewälzt, bis dann, nach der ersten wallenden Aufregung der Ernst der Stunde über die Hunderttausende gekommen war, vor denen her durch alle Adern der Riesenstadt die Kunde lief: „Krieg! Kriegszustand!“

 
 

Was ich im Osten sah – Bernhard Hoeft

Eine Kriegsfahrt

Die Winterschlacht in Masuren war geschlagen. Hindenburgs Stern, schon allererster Größe, er strahlte heller als je. Orte, wie Johannisburg, Lützen, Lyck und viele andere waren wieder in aller Munde. Der Zug nach dem Osten wurde in mir mächtig. Endlich boten die Osterferien günstige Gelegenheit; doch besondere Fürsorge vor dem Betreten jenes Kampfgebietes schien geboten. Das erste Wort hatte das General-Kommando hinter dem Gießhause. Nicht ohne Mühe, erst nach sorgsamster Prüfung aller einschlägigen Papiere erhielt ich den gestempelten „Geleitschein“. Sehr wichtig war darin der Zusatz: Die Benutzung von Militärzügen gegen Lösung einer Fahrkarte ist nach Möglichkeit zu gestatten.

 
 

Wir draußen – Colin Ross

Zwei Jahre Kriegserleben an vier Fronten

Das wechselnde Kriegsgeschick führte den Verfasser in der verschiedensten Verwendung auf fast alle Kriegsschauplätze, nachdem er schon vor Ausbruch dieses Weltenbrandes den Krieg auf dem Balkan und in Mexiko kennengelernt hatte. Er tat Dienst bei der Infanterie und bei der Artillerie, als Bataillons- wie als Abteilungs-Adjutant, als Ordonnanzoffizier bei Regiment und Brigade, begleitete als Verbindungsoffizier die Infanterie auf Sturmangriffen und als Erkundungsoffizier die Kavallerie auf Patrouillen.

Von Lothringen ging es gegen die Sperrfortslinie, von da über Belgien nach Nordfrankreich, dann durch ganz Galizien und Polen, über den Bug in die Rokitnosümpfe, über die Donau nach Serbien, nach Winterquartieren im Banat wieder nach Belgien, vor Verdun, an die englische Front in der Picardie und wieder nach Russland, wo in den wolhynischen Sümpfen zwischen Styr und Stochod eine russische Kugel weiteren Kämpfen vorerst ein Ziel setzte.

 
 

Der Hauptmann – Armin Steinart

Das Gefecht war zum Stehen gekommen. Auf beiden Seiten schwiegen die Geschütze. Nur vereinzelte Gewehrschüsse fielen, und gleich dem Sausen einer Riesenpeitsche riß sich das Zischen der Geschosse durch die Stille.

Die zweite Kompanie grub sich ein, um das im Sturm gewonnene Gelände zu verteidigen. Nur hundertfünfzig Meter vom Feinde entfernt wuchs die Brustwehr des neuen Schützengrabens aus der Erde. In fast lautloser Arbeit. Nur zuweilen hörte man das Klingen eines Steines gegen den Spaten, das Rascheln der rutschenden Erde, ein Flüstern oder ein leises Kommandowort.

Hauptmann v. Rech leitete die Arbeit selbst. Lag doch in der Art, wie die Erdwerke gebaut wurden, ein Teil der Entscheidung über das Schicksal seiner Leute. Die Kompanie war in gefährlicher Lage, wenn sie sich auf dem vorgeschobenen Posten nicht halten konnte.

 
 

Kriegsbriefe gefallener Studenten – Philipp Witkop

In den Tagen, da Deutschland verjüngt und verantwortungsvoll sich auf seine nationale Würde und Erneuerung besinnt, wird eine Volksausgabe der Kriegsbriefe gefallener Studenten zur vaterländischen Forderung. Haben diese doch den Gedanken der nationalen und sittlichen Erneuerung in Schlacht und Grauen und Todesbereitschaft zuerst erlebt und verkündet:

„Wie ich es mir zum Troste sein lasse, in der uns aufgezwungenen Notwendigkeit des grauenhaften Krieges die Zukunft eines neuen, reinen Lebensideals zu erkennen, neu gebildet und begründet durch den Gedanken der Gleichachtung und Kameradschaft, des Gottvertrauens und der Zuversicht, durch reinen sittlichen Ernst, durch Vertiefung und Wiedergeburt des Geistes“

 
 

Eine Kompanie Soldaten – Alfred Hein

In der Hölle von Verdun

Dies Buch ist kein Roman, aber auch kein trockener Bericht von Kriegsabenteuern. Es ist auf Grund von persönlichen Erlebnissen mit allerdings bewusstem künstlerischen Willen gestaltet. Als Kompagnie-Meldeläufer machte ich im April und Mai 1916 die Verdun-Offensive bei den Höhen „Toter Mann“ und „Höhe 304“ mit, und in der Charakterisierung seiner entscheidenden Gestalten, im inneren Wesenskern der Ereignisse beruht das Buch auf Lebenswahrheit. Der Rhythmus jenes großen Totentanzes mit seinen Sturmangriffen und Trommelfeuern ist mir für alle Zeit im Blut geblieben, ich habe versucht, ihn auf meine Dichtung zu übertragen. Natürlich konnte ich nicht Sekunde auf Sekunde der schwersten Todesnot mit minutiöser Darstellung reihen, wie es in der Schilderung des tagelangen Trommelfeuers eigentlich geschehen müsste, um einen entfernten Begriff von der trostlosen Preisgabe des Leibes und der Seele an die Tobsucht der Granaten zu geben.

 
 

Bezwinger der Luft im Weltkriege – Wilhelm Kranzler

Siegreiche Fliegerkämpfe u. Luftschiffahrten unserer großen Helden Immelmann, Zeppelin, Boelcke, Parschau, Banfield u. a.

Über einen Luftkampf, in dem es ihm nicht geglückt war, den Gegner zum Absturz zu bringen, erzählt Boelcke:

„Ich bin ihm bis auf neunhundert Meter tief gefolgt, war ganz nahe an ihm dran, zum Greifen nah, auf fünfzig, dreißig Meter ungefähr. An die fünfhundert Schuss habe ich verfeuert, aber ich brachte ihn nicht herunter. Der Beobachter war getroffen, wahrscheinlich tot. Zusammengesunken saß er da und rührte sich nicht. Vom Führer sah ich nur den Sturzhelm über die Wandung ragen. Ich zielte immer scharf auf den Helm. Der Motor war getroffen, der Öler rauchte stark. Aber der Führer behielt den Apparat in der Hand und konnte landen. Es war mir dieser Kampf unbegreiflich.“

 
 

Kreuzerjagd im Ozean – Emil Aye

Kriegstagebuchblätter S. M. Hilfskreuzer „Kaiser Wilhelm der Große“

Es war am denkwürdigen 4. August 1914. S. M. Hilfskreuzer „Kaiser Wilhelm der Große“, auf dem ich Erster Offizier war, lief mit langsamer Fahrt zwischen Wesermündung und der von der schon sinkenden Sonne rot erglühenden Felseninsel Helgoland auf und ab. Das ganze Schiff war voll Erwartung, was die nächste Stunde bringen würde. Spannung lag in den ernsten Gesichtern der Offiziere, die auf der hohen Brücke standen und den klaren Horizont absuchten, als müsste dort hinten weit im Westen jeden Augenblick etwas auftauchen, das Erlösung bringen würde allen an Bord. Spannung machte den ganzen Schiffskörper erbeben: „Dampf auf in allen Kesseln“ stampfte der große Schnelldampfer auf der leise bewegten Nordsee, als könnte er den Augenblick nicht abwarten, schäumenden Bugs durch die See zu jagen: dem Feinde entgegen!

 
 

Kreuz wider Kokarde – Ernst Friedrich Eichler

Jagdflüge des Leutnants Ernst Udet

Leutnant Udet, der Sieger in. 40 Luftkämpfen, der mir von früher her bekannt war, gab mir nach einiger Überredung einige Schilderungen aus seiner Kriegs- und Fliegerlaufbahn. Er erzählte mir seine Erlebnisse, ohne davon viel Wesens zu machen, mit gutem Humor. Er unterstrich weder die Erfolge noch verhehlte er die Misserfolge.

Ich gab hier nun alles so. wie ich es von Udet empfangen habe, und hoffe, damit das Richtige getroffen zu haben. Über seinen Lebensgang bemerke ich kurz, dass er im Jahre 1896 als Sohn des Ingenieurs Adolf Udet geboren wurde und 18 Jahre alt war. als er zum ersten mal — zunächst als Motorradfahrer — freiwillig ins Feld rückte. Im gleichen Jahre noch lernte er das Fliegen bei Gustav Otto, und schon im Frühjahr 1915, noch nicht 19jährig, errang er seine ersten Erfolge an der Front.

 
 

Landsturm im Feuer – Ernst von Wolzogen

Sieben Wochen hatten wir ohne Unterbrechung im Schützengraben gelegen, bei Regen und Sonnenschein, Sand- und Schneesturm, Glatteis und klingender Kälte, in Patsch und Matsch, in wunderherrlichen Vollmondnächten und unheimlichem Nebelbrauen, rastlos und freudig schaffend an dem durch jeden Witterungsumschlag wieder zerstörten Werke unseres Burgbaues, höhere und höchste Vorgesetzte wohl an ein Dutzend kommen und gehen sehen und nun, in den ersten Februartagen, sollten wir selber gehen. Ganz überraschend war der Befehl gekommen. Wir hatten uns schon des öfteren hinter unseren Bataillonsführer und Unterabschnittskommandeur gesteckt, um höheren Ortes dahin vorstellig zu werden, dass wir gar keine Ablösung ersehnten, sondern uns vielmehr in unserm selbstgeschaffenen Höhlenheim durchaus wohlfühlten und bereit seien, auch das wüsteste Granatfeuer darin auszuhalten und es gegen den stürmenden Feind zu verteidigen, was es auch koste. Doch nun hieß es, wir müssten durchaus einige Tage Ruhe in Reservestellung hinter der Front genießen, bevor man unseren Nerven wieder die angespannte Wachsamkeit bei Tag und Nacht zumuten dürfe.

 
 

Soldatenblut – Oskar Wöhrle

Es war August. Seit drei Tagen marschierten wir. Immer nach Westen, der untergehenden Sonne zu. Ein Zug von meiner Kompanie war zwei- bis dreihundert Meter voraus. Gleich hinterher kam die Spitzenkompanie, dann der Vortrupp und in noch weiterem Abstande der Haupttrupp. Deutlich schallte das Gerassel der Feldartillerie und ihrer Protzwagen. Wenn man einmal Zeit hatte, sich umzuschauen, sah man nichts als eine riesige, langgestreckte, lebendige Kolonne, die im Atmen auf- und niederging, als ob sich ein ungeheurer, schmaler Tausendfüßler auf der staubigen Landstraße herwälze. Auch in der Flanke gingen Leute. Bald liefen sie im Feld, bald quer über Ackerland und Wiesen, dann wieder durch niederes, verzotteltes Gebüsch oder auch durch lichten Wald. Die armen Teufel schwitzten mächtig. . .

 
 

Kapitänleutnant v. Möllers letzte Fahrt – K. E. Selow-Serman

Ein leichtes Knirschen unter dem Schiffsboden . . . einige kurze Stöße . . . ein scharfer Ruck . . . „S. M. S. Tsingtau“ sitzt auf einer Sandbank fest.

„Beide Maschinen Stopp!“

Braunes Wasser quirlt zu beiden Seiten und am Heck auf, ganze Lehm- und Schlickklumpen kommen hoch. Das Schiff ist festgekommen. Bisher war die Reise, seit der Abfahrt von Kongmoon, wo Schießübungen abgehalten wurden, glatt verlaufen.

„Eine verteufelte Geschichte!“ wendet sich der Kommandant, Kapitänleutnant v. Möller, an seinen neben ihm auf der Brücke stehenden Wachtoffizier, Leutnant z. D. v. Wenckstern. „Wenn das Wasser nicht bald steigt, sehe ich schwarz für unsere Ankunft in Wutschau!“

 
 

Der Scharfrichter von Rothenburg – Georg Scheurlin

Der Schwedenkönig war gelandet, Pommern in seinen Händen und Brandenburg in Gefahr, an ihn verloren zu gehen. Die dort kommandierenden bayerischen und kaiserlichen Kriegsobersten harrten sehnlichst der Ankunft und dem Beistande ihres Oberfeldherrn Tilly entgegen. Er erschien mit dem Glanze seines Namens, mit seinem kampfdurstigen, siegsgewohnten Heere. Die schwedischen Streifkorps zogen sich allenthalben vor den andringenden Schaaren zurück, bis auf die Besatzung eines Städtchens, die sich verspätet hatte.

Sie erlag der feindlichen Übermacht. Hunderte der tapfern Schweden und ihrer Verbündeten bedeckten den Wahlplatz, nur eine kleine Zahl derselben rang noch in verzweifelndem Kampf um ihre Freiheit und ihren Glauben.

„Ergebt Euch der Übermacht!“ erklang ein rauer Zuruf unter die Fechtenden hinein. Es war die Stimme Tilly’s, der ihrer schonen wollte.

„Lieber tot, als gefangen!“ erscholl die Antwort aus der Mitte des Schwedenhäufleins, das sich immer enger zusammen drängend um seine Fahne geschart hatte. Ihr Fähndrich, ein junger, heldenmütiger Krieger war es, der dem Feldherrn die kecken, todverachtenden Worte zugeworfen.

„So haut die Hunde in Stücken!“ donnerte Tilly unter seine Leute, und sein Blick flammte zornentbrannt nach dem mannhaften Jüngling.

Die Schwerter klirrten, die Kaiserlichen schlachteten, die Schwedischen sanken zusammen. Ein letzter Schuss aus ihrer Reihe streifte den Federhut des Feldherrn.

„Vermaledeiter Bube!“ brüllte ein wallonischer Rittmeister und hob den Pallasch zu einem fürchterlichen Hieb nach dem Fähndrich.

 
 

Die fliegenden Pioniere – Friedrich Otto

Zu Frankreich und Russland ist jetzt auch England gekommen, das heißt, es wird uns heute Abend den Krieg erklären. Sie kennen die englische Gemütsart hinreichend, meine Herren, um zu wissen, dass England auch schon vor der offiziellen Kriegserklärung sich nicht schämen wird, uns zu überfallen. Ich gebe Ihnen hier eine Kartenskizze, Ihre Aufgabe ist es, die darin bezeichneten Stellen besonders scharf auf eine Anwesenheit der englischen Flotte zu untersuchen. wie Sie sehen, führt Sie Ihr Weg ziemlich weit weg vom sicheren Boden. Unter zwölf Stunden wird der Flug nicht dauern, eher noch eine Stunde länger, wenn Sie Nebelmassen zu untersuchen haben. Ihre Aufgabe ist schön und schwer zugleich. Ich gebe zu, das sie mit großer Lebensgefahr verbunden ist. wenn Sie unterwegs merken, dass Sie Helgoland nicht wieder erreichen, so steuern Sie den roten Punkt auf der Karte an.

 
 

Die Schlacht über dem Nebel – Friedrich Otto

Am 13. September bekam der Gewehrführer Werner Kleffel den Befehl, mit seinem Maschinengewehr den Trichter 3 zu beziehen, den erst am Tage vorher eine der neuen französischen 45 cm-Haubitzen aus der Erde herausgespritzt hatte. Von oben sah das ganze Gelände aus wie eine von tausend kleinen Kratern besetzte Mondlandschaft, wie ein von riesigen Pockennarben entstelltes Gesicht. Die Flieger flogen mit erhabenen Gruselgefühlen über dies unmögliche Land.

Der Hauptmann war der Ansicht, dass in den Trichtern noch giftiges Gas stecken könnte, jene schweren unsichtbaren Phosphordämpfe, die erst nach mehreren Tagen ihre tödliche Wirkung offenbaren. Dann fangen die Vergifteten an zu husten, ihre Lungen eitern, und der grauenvollste Tod tritt ein. Andere Gase, die grünen Chlore, zerfraßen selbst die Metalle, die Fernsprechdrähte, die Flintenläufe und die Maschinengewehre, waren aber doch wenigstens sichtbar.

Die Leute der Maschinengewehrabteilung banden sich die Giftschutzmasken um den Kopf. Wie Makaken, wie Bewohner des Mars mit einer langen Rüsselschnauze und bösen Hummerstielaugen sahen sie aus.

 
 

Das Grab der deutschen Flotte – Ludwig von Reuter

In Nachstehendem soll versucht werden, dem mehrfach geäußerten Wunsch nach einer Schilderung der die letzten Lebensmonde der deutschen Hochseeflotte ausfüllenden Begebenheiten, insbesondere ihrer Versenkung gerecht zu werden.

Die politische Lage des Reiches machte mir Zurückhaltung und Beschränkung auf das Wesentliche zur Pflicht; von Schönfärberei habe ich mich ferngehalten. In der Darstellung ist der in seinen Einzelheiten bisher wenig bekannt gewordene erste, die Ereignisse vom Waffenstillstands-Abschluss bis zur Versenkung umfassende Zeitabschnitt eingehender behandelt; der zweite, nur der Rechtfertigung der Versenkung dienende Teil beschränkt sich in der Hauptsache auf die Wiedergabe meiner zu diesem Zweck verfassten Berichte und Kundgebungen.

 
 

Auf See unbesiegt – Eberhard Mantey

Die Zahl derer ist riesengroß, die ihr Höchstes und Bestes hingegeben haben, die in heiliger Vaterlandsliebe ihr Herzblut einsetzten, in dem festen Glauben, dass hierdurch ihren Müttern und Frauen, Kindern und Enkeln, Brüdern und Schwestern ein Weg in die dunkle Zukunft gebahnt würde, der sie vorwärts und aufwärts führe. — Wenn in diesem Buche nur eine beschränkte Anzahl von Selbsterlebtem wiedergegeben werden kann, so bildet dieses eben nur einen kleinen Ausschnitt aus den großen Geschehnissen des Weltkrieges. — Wie einzelne Lichtstrahlen in dunkler Nacht beleuchten sie die Taten unsrer „Blauen Jungen“ sowohl der Offiziere, wie auch der Mannschaften, die nach Idealen strebend, Leistungen vollbrachten, vor denen wir uns in Ehrfurcht beugen müssen.

 
 

Unter deutscher Kriegsflagge – Victor Laverrenz

Es ist keine künstliche Bewegung, welche Deutschland von Ost nach West gleichsam wie eine gewaltige Flutwoge durcheilt und Begeisterung weckt allenthalben in hohen und niederen Bevölkerungsschichten für eine starke, deutsche Flotte.

Nicht der Wille oder Wunsch eines Einzelnen ist es, und sei dies auch unser allseitig geliebter, von Freund und Feind — wenn er, einen solchen überhaupt besitzt — geachteter und verehrter Kaiser, nicht die Bestrebungen einiger wenigen sogenannten Flottenschwärmer, welche es verstanden hätten, mit klugem Wort und brandender Rede blindgläubige Massen mit sich fortzureißen.

Nein und tausendmal Nein! Die Begeisterung für die Marine ist ein Empfinden aus dem Inneren unseres Volkes selbst geboren, aus dem Blute, aus der Geschichte der Deutschen herausgewachsen, eine volkstümliche Bewegung im allerbesten und allerhehrsten Sinne des Wortes, und nicht ein blinder Zufall ist es, dass von Zeit zu Zeit dieser Drang nach dem Meere mit elementarer Kraft in unserm Vaterlande immer wieder zum Durchbruch gelangt.

 
 

Unsere Flotte im Weltkriege – Eugen Kalau vom Hofe

Mit der Anfang dieses Jahrhunderts begonnenen Zusammenziehung der englischen Flotte in der Nordsee, unter Schwächung der auswärtigen Stationen und fast völliger Entblößung des Mittelmeeres von englischen Kriegsschiffen, ging eine gewaltige Vermehrung des Schiffsbestandes einher, die ungewöhnliche Anforderungen an die englischen Steuerzahler stellte. Die Gutwilligkeit der letzteren suchte die englische Regierung durch Zeigen des Invasionsgespenstes, durch gefälschte Angaben über die deutschen Rüstungen und Rüstungsabsichten zu erwecken und zu stärken.

Denselben Zweck, aber auch die Täuschung des Auslandes und besonders den Fang deutscher Friedensfreunde jeder Gattung, hatten die Vorschläge des phantasievollen Marineministers Churchill, die beiderseitigen Flottenrüstungen im Verhältnis 16 : 10 zu beschränken und mit einem Werft- und Schiffbaufeierjahr die „unter dem Joch der schweren Kriegsrüstungen keuchend sich hinschleppenden Völker“ zu erfreuen. Die deutsche Marineverwaltung sollte dadurch zu falschen Maßnahmen bei der Ausführung des Flottengesetzes verführt und den deutschen Politikern der Gedanke beigebracht oder, wo er schon vorhanden war, gestärkt werden. Gegen Englands Macht ist und bleibt Deutschland hilflos, so sehr es auch seine Flotte vermehrt, die so viel Geld kostet; England kann immer das Doppelte dagegen setzen.

 
 

Hans Hellers Höllenfahrt – Otto Gottberg

Erlebnisse in französischer Kriegsgefangenschaft

Auf dem Bahnhof in Konstanz saßen aus Frankreich gekommene Invaliden, darunter Stelzfüße und Einarme, aus deren Augen doch warm und hell die Freude am Wiederschauen der Heimat lachte. Nur ein anscheinend kaum Leidender stand ernsten, fast schwermütigen Gesichts und starrte so zweifelnd oder ungläubig ins Leere, dass ich fragen musste, warum er die Freude seiner Kameraden nicht teile. Er hob müde die Schultern und wehrte ab, als möge er sich nicht offenbaren:

„Ich kann mich noch nicht freuen, weil ich zu lange in der Hölle war.“

Ich gewann Hans Hellers Vertrauen und hörte allmählich die Geschichte seines grausigen Leidens in französischer Kriegsgefangenschaft. Wer sie liest, wird in der Tat glauben, in die Hölle, nämlich den tiefsten Abgrund menschlicher Verworfenheit, zu blicken. — —

 
 

Flieger- und Luftschiffkämpfe im Weltkriege – Georg Gellert

Wie einst die zahllosen Mongolenscharen die deutschen Gefilde auf ihren kleinen flinken Rossen zertrampelten und alles verwüsteten, so fluteten Anfang August 1914 in gewaltigen Heersäulen die Russen über die Grenze Ostpreußens.

Pillkallen, Eydtkuhnen, Stallupönen im Norden wurden von ihnen mit Feuer und Schwert verwüstet, bis hinunter nach Johannisburg, Ortelsburg und Soldau drangen die Mordbrenner,

Da war es Generalfeldmarschall von Hindenburg, der nach seinem genialen Plane die Russen aus der deutschen Provinz wieder vertrieb und sie dahin jagte, wohin sie gehören: in die masurischen Seen und endlosen Sümpfe.

Das war am 26. August 1914.

 
 

Im Felde unbesiegt – Gustaf von Dickhuth-Harrach

Hier in Frankreich marschiert es sich leicht auf den harten Kunstwegen, wenn auch die Sohlen allmählich zu brennen beginnen. Aber Russland! Russlands Wege waren Wege für ganz besondere Liebhaber. Damals in den Wochen des sommerlichen Durchbruchs von 1915. Als begänne der Erdboden sich aufzulösen, ist es. Alle Felder schwimmen in einem zähen Brei, jeder Fußbreit Bodens ist wie ein klammernder Saugnapf, und dazwischen überall blinkt Wasser in trüben, gelben Lachen. Am schlimmsten aber, und Abgründe voll Schlamm, sind die Wege. Infanterie, Artillerie, Fuhrparkkolonnen der fliehenden Russen haben aus ihnen stillstehende Kotflüsse gemacht und alle Geleise zu grundlosen Mulden zerfahren. Die Dorfstraßen aber sind so dreckbesudelt und morastüberschleimt, dass Fuß und Stiefel eine Weile in der Luft zögern, ehe sie zutreten. Wie auf Dämmen stehen die Holzhäuser über dem braunen Sumpf der Wege, der dick und zäh sich gleich einer klammernden Faust über dem Oberleder, um die Knöchel, um den halben Schaft schließt und wenn die Tiefpunkte des Marsches kommen, die schmierigen Anger oben in die Stiefel steckt, dass Kot und Wasser hineinquellen und der Fuß auf einem schlapfenden Polster geht . . .

 
 

Klar Schiff! – Carl Busse

Wie Jan der Heizer starb

Als das deutsche Geschwader den Hafen verließ, mitten in der Nacht, stand Jan der Heizer ganz vorn an der Reling des großen Kreuzers, und wie ein lebendiges Wesen umsprang ihn der harsche Wind.

Er sollte eigentlich in der Koje liegen und sich die Müdigkeit wegschlafen, die aus der prasselnden Weißglut der Feuerlöcher wie Blei in die Glieder schlug. Aber Spannung und Aufregung ließen ihn nicht schlafen. Es ging an den Feind! Wo der Feind mit seinen Schlachtschiffen lag, wusste keiner . .

 
 

Die ersten Stundenschläge des Weltkrieges – Bernhard Wilhelm von Bülow

»Bereits im Jahre 1907 gelangten wir zu der festen Überzeugung, dass ein großer europäischer Krieg notwendig sei. Der Generalstab der Armee und der Admiralstab wurden angewiesen, künftig bei ihren Arbeiten Deutschland als Feind zu betrachten. Ich will betonen, dass der Weltkrieg von uns als rasch herannahend angesehen wurde. Wir trafen alle notwendigen Vorbereitungen, so dass die Katastrophe uns durchaus nicht überraschte. Wir haben sie ruhig erwartet und dürften uns nur im Zeitpunkt des Kriegsanfanges um wenige Monate geirrt haben.«

Aus den Tagebüchern des Admirals Koltschak.

 
 

Bis zum letzten Flaggenschuss – Georg Ludwig von Trapp

Erinnerungen eines österreichischen U-Boots-Kommandanten

Der Kommandant sitzt über seiner Seekarte und rechnet mit Zirkel und Dreieck. Er hat in den beiden Tagen wohl einige Anhaltspunkte erhalten über die Bewegungen des nächtlichen Kreuzers, aber seine Rechnung ist doch eine Gleichung mit lauter Unbekannten. Er überlegt: Der Feind kommt aus Südosten anmarschiert, da muss er gegen den hellen Mond in Sicht kommen. Auf zehn Seemeilen vom Lande bezieht er seinen Posten, um dort: langsam zu kreuzen. Langsam, um nicht zuviel Rauch zu machen. So muss er es die letzten Nächte auch getan haben.

Das U-Boot muss sich also unter Land halten, um den Kreuzer im Mond auf sich zukommen zu lassen. Dann später hält es sich besser seewärts und steuert langsam gegen Süden, denn der Mond wandert gegen Westen, dem Lande zu, und der Kreuzer wird nach Mitternacht wieder einrücken wollen.

Ja, so muss es gehen. . .

 
 

Die Fahrt der Deutschland – Paul König

Die Fahrt des Handels-Unterseebootes “Deutschland“ hat lange genug die öffentliche Meinung der Alten und Neuen Welt in Spannung gehalten. Die wildesten Gerüchte über unsere Fahrt und unser Schicksal sind in einer ganzen Reihe von Zeitungen aufgetaucht, der schönen Phantasien gar nicht zu gedenken, in denen die Engländer soundso oft meldeten, dass wir gestrandet oder versenkt oder gar in Frachtkollis verpackt nach Amerika versandt seien. Wie haben wir uns auf See gefreut, wenn unser F.-Telegraphist wieder einmal so eine recht fette englische Ente aus der Luft aufgefangen hatte! Mit desto größerem Vergnügen gehe ich jetzt daran, eine Schilderung von unserer märchenhaften Fahrt und ihren Abenteuern zu geben.

Ach, und sie war ja gar nicht so märchenhaft, diese Fahrt, das durfte sie eigentlich gar nicht sein. Auch den Abenteuern sind wir nach Möglichkeit recht weit aus dem Wege gegangen.

Man erwarte sich darum in diesem kleinen Buch keine Reihe von spannenden Erlebnissen, wie sie in den Schilderungen der Fahrten von Frontbooten stehen. Unsere Aufgabe war ja, möglichst glatt und ohne Zwischenfälle unsere wertvolle Fracht nach Amerika zu bringen, die englische Blockade zum besten zu haben und mit ebenso wertvoller Ladung wieder sicher zurückzukommen. Das haben wir erreicht, und das soll hier geschildert werden.

Wenn es schließlich dabei doch nicht immer so ganz glatt abgegangen ist, wenn es gelegentlich doch verteufelt “dicke Luft“ gab und manches gar nicht sehr Programmmäßige passierte, so verdanken meine Leser diese kleinen spannenden Beigaben den liebenswürdigen Bemühungen der Engländer. Unsere Fahrt freilich haben sie trotz alledem nicht zu hindern vermocht, aber sie haben es doch dahin gebracht, dass die Schilderung der Fahrt wesentlich abwechslungsreicher und unterhaltender werden kann. Es wäre undankbar, das nicht anzuerkennen.

Einen besonderen Dank aber will ich hier noch meinen beiden Wachoffizieren, Krapohl und Eyring, aussprechen. Die Aufzeichnungen dieser beiden Herren ergänzten meine Darstellung in vielen Punkten. Man kann nicht immer auf dem Turm — fast hätte ich in alter Gewohnheit “Brücke“ gesagt — stehen, und sechs Augen sehen mehr als zwei. Sehen muss man aber auf dem U-Boot vor allem. Eine ganze Reihe der hier erzählten Vorfälle entstammt den Beobachtungen meiner Offiziere. Wie sie auf der Fahrt meine getreuen, nie ermüdenden Gefährten waren, so sind sie auch für die Schilderung der Fahrt meine Mitarbeiter geworden. Darum danke ich. ihnen noch mehr als den Engländern. Und meine Leser wohl auch.

 
 

Das Unterseeboot im Kampfe – Friedrich Otto

„Stehn Sie schleunigst auf, Sie Siebenschläfer,“ rief Kapitänleutnant Riccardo Sacchetta, Kommandant eines italienischen Tauchbootes, einem Mann zu, der seit längerer Zeit in den Ginstergebüschen bei Cattolica an der Adria lag und mit geschlossenen Augen den hellen, kühlen Salzwind über sich wehen ließ. Weder das viersilbige Hohngelächter der Möwen störte ihn, noch die Tatsache, dass sie bisweilen blitzschnell bis dicht auf den Schläfer herabsausten, um sich im jähen Aufschwung wieder in die Blaue des Sommerhimmels heben zu lassen. Das feine Tönen des ewig wandernden Sandes und das fleißige Zischeln des harten Dünengrases hatten den Fremdling in einen tiefen Schlaf gesungen. Der Seeoffizier hatte ihm eine Fahrt in einem Unterseeboot versprochen, mit „allen Schikanen“, wie er sagte, aber schon seit acht Tagen hatte der Fremde vergebens in dem kleinen Cattolica auf die Erfüllung seines Wunsches gerechnet.

 
 

Die kühne Fahrt der Deutschland – Artur Brehmer

Das Handels-U-Boot

Ideen liegen immer in der Luft. Und so war es kein Wunder, dass dem und dass jenem der Gedanke durch den Kopf gegangen war:

Wie wäre es, wenn . . . Wie wäre es, wenn mal ein Unterseeboot die Blockade der Engländer nicht in seiner Eigenschaft als Kriegsschiff bräche, sondern als Handelsboot mit Waren, und uns Nahrungsmittel und Gott weiß was alles mitbrächte.

Denn bei Ideen ist es immer das Merkwürdige, dass sie ganz unklar sind.

So konnte man wirklich diesen Gedanken in Tausenden von Gesprächen begegnen. Aber die Idee wurde verlacht und als absurd erklärt.

Nicht nur von Laien, sondern auch von Fachleuten, die sich einbildeten, etwas davon zu verstehen.

Und doch war die Idee keineswegs neu. . .

 
 

Krieg in der Ostsee – Günther Georg Forstner

„Krieg in der Ostsee?“

Obwohl die Nordsee der Hauptkriegsschauplatz blieb, so tobten doch auch in der Ostsee erbitterte Kämpfe. Die Ostsee blieb zwar von offenen Seeschlachten verschont, doch erforderte der unermüdliche Kampf gegen die feindliche Übermacht zum Schutz der Heimatküsten nicht minder Mut.

Der Bruder des Kaisers, Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, vermochte den Schutz über die gesamte Kriegsdauer auch vor den geringsten feindlichen Überfällen aufrechtzuerhalten.

Hunderte von deutschen Seeleuten der Kriegs- und Handelsmarine ließen in der Ostsee im Kampf fürs Vaterland ihr Leben.

 
 

Graf Spee’s letzte Fahrt – Hans Pochhammer

Erinnerungen an das Kreuzergeschwader Graf Spee

Die Niederlage des Seegefechts bei Coronel am 1. November 1914 erfüllte die britische Führung noch immer mit Grausen, sodass diesmal alles Schwimmfähige aufgeboten wurde, um eine erneute Niederlage zu verhindern.

Der deutschen Seite war klar, dass sich das Blatt in einer erneuten Schlacht gegen sie wenden könnte. In Erwartung des drohenden Unheils wurden viele Mahnungen laut “Glaubt nicht, dass es immer so glatt geht wie bei Coronel, es kann auch mal anders kommen!”

So wurde der 8. Dezember 1914 Uhr für das ostindische Kreuzergeschwader schließlich zum Verhängnis.

 
 

Die Helden von Tsingtau – Otto von Gottberg

Der 15. August begann als der Tag der Freude und brachte die Nachricht von einem Seetreffen bei Hongkong mit dem Telegramm: „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ jagten zwei britische Kreuzer mit vier Schornsteinen nach schwerer Beschädigung durch Geschützfeuer in die Flucht.“ Noch ungläubig, hörten die Tsingtauer nachmittags, dem kaiserlichen Botschafter in Tokio habe ein Beamter des japanischen Auswärtigen Amtes ein Ultimatum überreicht. Bald blieb kein Zweifel an der Wahrheit der Kunde, und zwei Tage später mahnte der Gouverneur die Frauen, mit ihren Kindern abzureisen. Gleichzeitig forderte er den Landsturm zur Eintragung in die Listen auf. — Kapitän Meyer-Waldeck wusste, dass vormittags dem Staatssekretär unseres Auswärtigen Amtes der japanische Botschafter in Berlin die dreiste Forderung überreicht hatte: Tsingtau solle bis zum 15. September geräumt und jedes unserer Kriegsschiffe in asiatischen Gewässern entwaffnet werden.

 
 

Blockadebrecher – K. E. Selow-Serman

Meldung der Manila Weekly Times
vom 3. April 1917.

Wir können unseren Lesern heute von einem unerhörten Wagestück deutscher Seeleute berichten. Kapitän Sörensen und die beiden Matrosen Iversen und Tost von dem in Batavia internierten deutschen Dampfer „Marie“ beschlossen zu fliehen und zu versuchen, auf dem Wege über die Philippinen die Heimat zu erreichen. Mit den beiden Seeleuten Wells und Willer unternahmen sie es, die 1500 Seemeilen lange Fahrt nach Mindanao in einem nur sieben Meter langen offenen Segelboot anzutreten. Sechzig Tage lang kämpften die tapferen Männer mit Sturm und schwerem Seegang, der ihr gebrechliches Fahrzeug jeden Augenblick zu vernichten drohte, und während der ganzen sechzig Tage stand das Wasser stets knietief in dem Boote. In den beiden letzten Wochen gingen die Lebensmittelvorräte aus, so dass die Deutschen, als sie endlich in Celebes ankamen, dem Hungertode nahe waren. Trotzdem hielt es sie nicht. Nach einigen Wochen Erholung in Celebes wagten sie im gleichen kleinen seeuntüchtigen Boote die Weiterfahrt nach den Philippinen, und das Unglaubliche gelang. Nach unendlichen Mühseligkeiten glückte auch dieses Wagestück, und unversehrt liefen die wackeren Seeleute gestern in Manila ein.

 
 

U-Boot gegen U-Boot – Heino von Heimburg

„Occarina“ nannte man mein Boot mit etwas spöttischem Lächeln. Der Name passte allerdings nicht schlecht. Klein war es und schwarz, und die plumpe gedrungene Form ähnelte tatsächlich diesem Musikinstrument. Allen Zweiflern und Spöttern zum Trotz aber hat sich die „Occarina“ tadellos gemacht. Ihre Kampfkraft war nur beschränkt, im Seegang war es an Bord ungemütlicher als in der kleinsten Fischerjolle. Nur langsam kam man mit ihr vorwärts. Dessenungeachtet aber hat das liebe Boot schöne Erfolge gehabt und seinen großen Brüdern recht scharfe Konkurrenz gemacht. Wir sollten helfen, die Dardanellen zu verteidigen. Wir haben es getan. Die Linienschiffe des Feindes hatte kurz vor uns „U 21“ glänzend verjagt, uns blieben die Truppentransporte.

Als wir die Fahrt zum Halbmond antraten, durften wir schon auf schöne Erfolge, die ich leider heute nicht veröffentlichen darf, zurückblicken. Das Boot war kampferprobt und mit ihm meine prächtige Besatzung. Längst lächelte niemand mehr über uns. Erfolgreich war die Fahrt zu den Meerengen, und erfolgreich fährt das Boot auch heute noch unter einem neuen Kommandanten. Manche U-Bootsfahrt ist schon beschrieben worden, stets aber waren es große Boote, die unserem gegenüber aussahen wie ein Linienschiff gegen ein Torpedoboot. Ich habe mich entschlossen, dieses Tagebuch zu veröffentlichen, damit auch einmal der kleinen Boote und ihrer Besatzungen gedacht wird.

„Occarinas“ heißen sie noch heute, niemand aber lächelt, wenn er von ihnen spricht. Sie haben gezeigt, dass ihr Ton in das Konzert passt, das die deutschen Kampfmittel heute unseren Gegnern ausspielen.

 
 

Meine Flugerlebnisse – Hellmuth Hirth

Die große Leidenschaft für Technik und Mechanik führte den jungen Hellmuth Hirth zielstrebig auf die Erfolgsspur. Er begeisterte sich für den Motorsport, ging für einige Jahre in die USA, wo er unter anderem für Thomas Edison arbeitete. Später kehrte er nach Deutschland zurück und besuchte in Stuttgart die Maschinenbauschule. Er übernahm eine Filiale der väterlichen Fortuna-Werke in England. Als ihm eines Tages ein Buch von Otto Lilienthal “Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst” in die Hände fiel, wurde es Hellmuth Hirth zum Schlüsselerlebnis.

Als Hellmuth Hirth 1911 den Flugschein erwarb, war das der Beginn eines steilen beruflichen Aufstiegs. In Folge erzielte er Höhenrekorde, absolvierte Nonstop-Flüge, erreichte Siege bei Flugwettbewerben. Seine Flugleistungen waren ein Meilenstein für die Entwicklung der Luftfahrt.

 
 

Skagerrak! – Friedrich von Kühlwetter

Des Kaisers Dank zum Ruhmestag der deutschen Flotte am 5. Juni 1916

So oft Ich in den vergangenen Jahren Meine Marine in Wilhelmshaven besucht habe, jedesmal habe Ich Mich in tiefster Seele gefreut über den Anblick der sich entwickelnden Flotte, des sich erweiternden Hafens. Mit Wohlgefallen ruhte Mein Auge auf der jungen Mannschaft, die im Exerzierschuppen aufgestellt war, bereit, den Fahneneid zu leisten. Viele Tausende von euch haben dem Obersten Kriegsherrn ins Auge geschaut, als sie den Eid leisteten. Er hat euch aufmerksam gemacht auf eure Pflicht, auf eure Aufgabe. Vor allen Dingen darauf, dass die deutsche Flotte, wenn es einmal zum Krieg kommen sollte, gegen eine gewaltige Übermacht zu kämpfen haben würde. Dieses Bewusstsein ist in der Flotte zur Tradition geworden, ebenso wie es im Heere gewesen ist schon von Friedrichs des Großen Zeiten an: Preußen wie Deutschland sind stets umgeben gewesen von übermächtigen Feinden. Darum hat sich unser Volk zu einem Block zusammenschweißen lassen müssen, der unendliche Kräfte in sich aufgespeichert hat, bereit, sie los, zulassen, wenn Not an den Mann käme. Aber so gehobenen Herzens wie am heutigen Tage habe Ich noch nie eine Fahrt zu euch gemacht. Jahrzehntelang hat sich die Mannschaft der deutschen Flotte aus allen deutschen Gauen zusammengesetzt und zusammengeschweißt in mühevoller Friedensarbeit — immer mit dem einen Gedanken: Wenn es losgeht, dann wollen wir zeigen, was wir können!

Und es kam das große Jahr des Krieges. Neidische Feinde überfielen unser Vaterland. Heer und Flotte waren bereit. Aber für die Flotte kam nur eine schwere Zeit der Entsagung. Während das Heer in heißen Kämpfen gegen übermächtige Feinde allmählich die Gegner niederringen konnte, einen nach dem andern — wartete und harrte die Flotte vergeblich auf den Kampf. Die vielfachen einzelnen Taten, die ihr beschieden waren, sprachen deutlich von dem Heldengeist, der sie beseelte. Aber so, wie sie es ersehnte, konnte sie sich doch nicht betätigen. Monate um Monate verstrichen, große Erfolge auf dem Lande wurden errungen, und noch immer hatte die Stunde für die Flotte nicht geschlagen. Vergebens wurde ein Vorschlag nach dem andern gemacht, wie man es anfangen könne, den Gegner herauszubringen.

Da endlich kam der Tag. Eine gewaltige Flotte des meerbeherrschenden Albion, das seit Trafalgar hundert Jahre lang über die ganze Welt den Bann der Seetyrannei gelegt hatte, den Nimbus trug der Unüberwindbarkeit — da kam sie heraus. Ihr Admiral war wie kaum ein anderer ein begeisterter Verehrer der deutschen Flotte gewesen. Ein tapferer Führer an der Spitze einer Flotte, die über ein vorzügliches Material und tapfere alte Seeleute verfügte — so kam die übermächtige englische Armada heran, und die unsere stellte sie zum Kampf.

Und was geschah? Die englische Flotte wurde geschlagen! Der erste gewaltige Hammerschlag ist getan, der Nimbus der englischen Weltherrschaft geschwunden.

Wie ein elektrischer Funke ist die Nachricht durch die Welt geeilt und hat überall wo deutsche Herzen schlagen, und auch in den Reihen unserer tapferen Verbündeten beispiellosen Jubel ausgelöst. Das ist der Erfolg der Schlacht in der Nordsee. Ein neues Kapitel der Weltgeschichte ist von euch auf, geschlagen. Die deutsche Flotte ist imstande gewesen, die übermächtige englische Flotte zu schlagen. Der Herr der Heerscharen hat eure Arme gestählt, hat euch die Augen klar gehalten.

Aber Ich stehe heute hier als euer Oberster Kriegsherr, um tiefbewegten Herzens euch Meinen Dank auszusprechen. Ich stehe hier als Vertreter und im Namen des Vaterlandes, um euch seinen Dank, und im Auftrage und im Namen Meines Heeres, um euch den Gruß der Schwesterwaffe zu überbringen.

Jeder von euch hat seine Pflicht getan, am Geschütz, am Kessel, in der Funkenbude. Jeder hatte nur das große Ganze im Auge, niemand dachte an sich, nur ein Gedanke beseelte die ganze Flotte: Es muss gelingen; der Feind muss geschlagen werden.

So spreche ich den Führern, dem Offizierkorps und den Mannschaften vollste Anerkennung und Dank aus. Gerade in diesen Tagen, wo der Feind vor Verdun anfängt, langsam zusammenzubrechen, und wo unsere Verbündeten die Italiener von Berg zu Berg verjagt haben und immer noch weiter zurückwerfen, habt ihr diese herrliche große Tat vollbracht. Auf alles war die Welt gefasst, auf einen Sieg der deutschen Flotte über die englische nie und nimmermehr. Der Anfang ist gemacht. Dem Feind wird der Schreck in die Glieder fahren!

Kinder! Was ihr getan habt, das habt ihr getan für unser Vaterland, damit es in alle Zukunft auf allen Meeren freie Bahn habe für seine Arbeit und seine Tatkraft. So ruft denn mit Mir aus:

Unser teures, geliebtes, herrliches Vaterland — Hurra, Hurra, Hurra!“

 
 

Flieger am Feind – Werner von Langsdorff

Hier erzählen einundsiebzig deutsche Luftfahrer eigene Erlebnisse aus dem Krieg. Einundsiebzig von zehntausend können naturgemäß nur einen winzigen Ausschnitt des großen Geschehens geben. Dieser Ausschnitt aber ist wahr, denn sie erzählen nur vom täglichen Kampf des deutschen Fliegers und Luftschiffers im Krieg.

Die deutsche Luftwaffe ist vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges ununterbrochen im Angriff geblieben.

Siebentausendachthundertneunundzwanzig deutsche Luftfahrer gaben im Krieg ihr Leben für Deutschland. Ihrem Gedenken soll dieses Buch dienen.

 
 

Stürme und Luftsiege – Adolf von Tutschek

Hauptmann Ritter von Tutschek wurde am 16. 5. 1891 als Sohn des Kgl. Bayr. Oberstabsarztes Karl Tutschek in Ingolstadt geboren und besuchte das St. Anna-Gymnasium in Augsburg, wo er 1910 die Reifeprüfung ablegte. Dann trat er als Fahnenjunker ins 3. Bayr. Inf.-Reg. Ein, wurde 1912 zum Leutnant befördert und rückte mit diesem Regiment ins Feld. Als Kompagnieführer machte er die sämtlichen Kämpfe des 3. Bayr. Inf.-Reg. und später des Inf.-Reg. Nr. 40 (Hohenzollern) in Frankreich, Belgien, Galizien, Russland, Serbien und vor Verdun mit. Im Mai 1915 wurde er bei Gorlice durch einen Granatsplitter am Fuß verwundet. Nachdem er im August den bayr. Militär-Max-Josef-Orden (und kurz zuvor das E. K. I) erhalten hatte, wurde er Anfang 1916 zum Oberleutnant befördert. In den Kämpfen vor Verdun im März 1916 erlitt er eine schwere Vergiftung durch eine Gasgranate. Nach Heilung seiner Gasvergiftung meldete er sich zu den Fliegern, schulte bei der bayr. Flieger-Ersatz-Abteilung Schleißheim b. München und kam Oktober 1916 als Flugzeugführer zu einer Feld-Flieger-Abteilung an die Somme. Im Januar 1917 wurde er zur Jagdstaffel Boelcke versetzt, wo er seinen ersten Gegner abschoss. Im April erhielt er selbst die Führung einer Jagdstaffel und errang bis zum August 23 anerkannte Luftsiege. Am Tage seines 23. Luftsieges wurde er abends bei einem Luftkampf in 2600 m Höhe durch ein Phosgen-Explosivgeschoss in der Schulter schwer verwundet. Zwei Tage vorher hatte er den Orden Pour le mérite erhalten. Seit seiner Heilung steht der erfolgreiche Kampfflieger, der inzwischen zum Hauptmann befördert wurde, als Kommandeur eines Jagdgeschwaders an der Westfront. Während diese Zeilen in Druck gehen, ist es ihm bereits gelungen, die Zahl seiner Siege auf 25 zu erhöhen.

 
 

Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau – Gunther Plüschow

Ein Auszug aus dem Buch über Gunther Plüschows Absturz in Tsingtau, welchen er unversehrt überstand.

“Ich war tausendfünfhundert Meter hoch, und die Landung war infolge der Luftverhältnisse ganz besonders schwierig. Als ich mitten über dem Platze in ungefähr hundert Meter Höhe noch mal Vollgas gab, um die letzte Runde zu fliegen und dann gegen den Wind zu landen, sprang der Motor eine Sekunde lang wieder voll an, fing aber im selben Moment an zu spucken und versagte ganz. Nur Sekunden brauchte ich, um meine Apparate nachzusehen, aber die genügten, dass die Maschine bereits so weit war, dass an ein Landen auf dem Platze nicht mehr zu denken war.

Auch nach rechts oder links konnte ich nicht abdrehen. Rechts war das Poloklubhaus und ein tiefer Graben, links das Strandhotel und die Villen.

Dass nichts mehr zu machen war, wusste ich, und nur eins dachte ich: Halte den Motor heil! Vor mir war ein kleines Wäldchen, und da hinauf hoffte ich die Maschine noch setzen zu können. Ich zog das Höhensteuer, aber in der heißen dünnen Tropenluft sackte die Maschine wie ein Klotz schwer durch. Ich kam mit dem Kopf gerade noch an Telegraphendrähten klar, dann zog ich die Knie an und stützte unwillkürlich die Füße nach vorn ab, und schon gab es einen mächtigen Stoß, ich hörte Krachen und Splittern um mich herum und flog mit Kopf und Knien recht unsanft gegen den Benzintank. Dann war es still.

Und als ich mich, selber heil und gesund, im Kreise herumsah, da lag meine Taube mit der Nase im Straßengraben, steckte das Schwänzchen hoch in die Luft, und die Flügel und das Fahrgestell bildeten ein Knäuel von zerbrochenen Holzstreben, Leinwand und Drähten.”

 
 

Erich Sarnekow-der U-Boots-Held – Franz Schulze

Denken Sie, ein prachtvoller Plan, den Großhälsen drüben jenseits des Kanals die eigenen Flussmündungen zu versperren. Die Bande, die Gott strafen möge! Sie haben immer gedroht: bevor noch die Kriegserklärung in Deutschlands Gauen überall bekannt geworden, würde „Wilhelms Luxus-Flotte“ aufgehört haben zu existieren; lägen die Schleusen von Wilhelmshaven in Trümmern, sei Kiel ein Haufen rauchender Mauerreste, während Bremen und Hamburg am nächsten Tage in den Händen der mächtigen englischen Panzerkolosse, ihrer Fürchtenichte, sein würden!

Hin zur Flagge Schwarzweißrot.

 
 

Meine Kampfflüge – Max Immelmann

Mit der Veröffentlichung des Buches “Meine Kampfflüge” erfüllte sich der letzte Wunsch des Fliegeroffiziers Max Immelmann. Er beschreibt darin  alle Stationen und Episoden aus seinem spannenden Fliegerleben, bevor ihn der tragische Absturz am Abend des 18. Juni 1916 aus dem Leben riss. Bis heute ist unklar, ob die Ursache ein Unfall, Feindbeschuss oder die eigene Flak war.

Zusammen mit Oswald Boelcke war Max Immelmann während der Jahre 1915/16 der erfolgreichste deutsche Jagdflieger und erlangte als Kriegsheld einen hohen Bekanntheitsgrad.

 
 

1000 £ Kopfpreis-tot oder lebendig – Julius Lauterbach

Am Abend des 7. November 1914 befand sich unsere „Emden“ auf dem mit Kohlendampfer „Exford“ verabredeten Treffpunkt in der Nähe der Kokosinseln. Wir blickten nach allen Seiten scharf aus, doch von dem Erwarteten ließ sich keine Spur entdecken. Dafür hörten wir englische Kreuzer von Stunde zu Stunde stärker funken. Die Sorge, „Exford“ könne ihnen zur Beute gefallen sein, ließ sich nicht mehr abweisen…

 
 

Hans der Flieger – Friedrich Otto

„Anfang Juni erschien mehrfach über der Halbinsel Istrien ein italienisches Luftschiff, die‚ Stadt . . .‘ oder wie es auf italienisch an dem gelben Körper des Luftschiffes zu lesen stand, Cittá . . . .‘

„Zuerst beschränkte sich das feindliche Luftschiff darauf, Beobachtungen zu machen, später aber warf es auch Bomben über verdächtigen Stellen ab. Unsere Abwehrgeschütze konnten dem gelben Untier nichts anhaben, das meist in 3000 Meter Höhe flog und auch ziemlich schnell war, denn es ist ja bekannt, dass die Italiener sehr gute Luftschiffe bauen.

„Natürlich war uns Fliegern das Luftschiff ein Dorn im Auge und wir lauerten ihm bei der ersten Wiederkehr auf. Sobald aber der Italiener auch bloß einen Flügel von uns in der Luft sah, strich er wieder ab.

„Später ließ er sich nur noch bei Nacht oder in der Dämmerung sehen. Lieber Hans, Sie wissen aus Erfahrung, was es zu bedeuten hat, nächtlicher Weile ein Luftschiff aufzufinden oder gar mit dem Flugzeug anzugreifen. Besonders über Istrien sind Nachtflüge so gut wie ausgeschlossen. Ich wünschte auch meinem ärgsten Feinde nicht, in einer dunklen Nacht unter dem istrischen Himmel Fahrten unternehmen zu müssen. In der Nacht vom 3. zum 4. Juni ließ sich das große Luftschiff aber wiederum herbei, uns einen neuen Besuch abzustatten.

 
 

U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet – K. E. Selow-Serman

Seit einigen Tagen liegt das Boot auf der südlichen Anmarschstraße zur Irischen See auf Lauer. Mehrere Schiffe sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Gegen schweren Nordwestwind war „U 217“ von Helgoland ausgelaufen und hatte seinen Weg mühsam nordwärts um Schottland herum genommen. Oft schien es, als ob es überhaupt nicht weiterginge, so schwer haute das kleine Fahrzeug in die See ein. Wachoffizier und Rudergänger mussten mit Leinen festgebunden werden, um nicht durch die unablässig über den Turm hinweg jagenden schweren Brecher über Bord gerissen zu werden. Jeden Augenblick zitterte das ganze Boot unter dem krachenden Aufschlagen der Tiefenruder.

 
 

Seine Hoheit-der Kohlentrimmer – Johann zur Plassow

Die Kriegsheimfahrt des Herzogs Heinrich Borwin zu Mecklenburg von Johann zur Plassow.

Hier wie nirgendwo anders auf der Welt, ist alles auf die Gegenwart und ihre Wirkung eingestellt, über das Vergangene pflegt man nicht mehr zu grübeln, und die Zukunft schert keinen.

Dem Lebenden, dem Glücklichen der Stunde gehört die Welt.

Dort lebte der Herzog und jagte und ritt und fing wilde Pferde und trieb den gefährlichsten und eigenartigsten Sport, den es dort gibt, das Treiben wilder Herden.

Aus dieser ihn restlos beglückenden Betätigung riss ihn ein jähes Schicksal fort, das er seinen Lesern heute durch mich erzählen will.

Es muss besonders an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass der Herzog die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich seinem Entkommen aus Amerika in sein Heimatland entgegentürmen würden, voll erkannte und trotzdem keinen Augenblick zögerte, dem Ruf seines Vaterlandes, der auch über die Ozeane an alle die „draußen“ erscholl, unverzüglich Folge zu geben.

Wenn es ihm nicht gleich gelang, seine Absicht in die Tat umzusetzen, so lag das an einer Reihe von widrigen Umständen, Dass er schließlich keine Unbequemlichkeit, Gefahr und Not scheute und als Trimmer verkleidet die Reise über den Atlantik unternahm, zeugt von dem hohen patriotischen Sinn und dem kühnen Wagemut des Herzogs aus dem alten Obotritengeschlecht.

 
 

Die hämmernde Front – Georg Queri

Und jetzt rücken aus dem Morgengrauen Leute von der Front an, rund eine Kompagnie, grabengemäß beschmutzt, schwer bepackt mit Helm und der ganzen Frontlast. Die Kompagnie sieht klein, klein aus. Die Schatten ihrer Toten wandeln hinten nach, fühlbar, ein Heer von Gedanken dieser Lebenden an Kameraden, die gestern noch Blut und Sprache hatten. Aber der Franzose schlug wieder den großen Trommelwirbel, und dann hetzte er seine Leute an. Man wehrte sich prachtvoll, grimmig. Sieg und Herzeleid, Hurra und Gestöhn. Der Abend kam blutrot und die Nacht im dunkelsten Trauerkleid — Kamerad, wisch‘ das Erlebnis von der Stirn und nimm den harten Zug aus den Mienen!

 
 

Hohe Fahrt – Wilhelm Schreiner

Versteckt im Nebel steht am Abend des 27. August 1914 westlich vor Helgoland die Hauptmacht des Feindes mit sieben Schlachtkreuzern. Weitere Panzerkreuzer, Zerstörer mit Begleitschiffen, Kreuzer und alle verfügbaren englischen U-Boote lauern vor der Deutschen Bucht.

Trotz massiver Übermacht vermochte sie nur den Abschuss von drei leichten Kreuzern und einem Torpedoboot zu verzeichnen. Infolgedessen trat das englische Geschwader am Abend des 28. August 1914 die Heimreise an.

Ein Flotillenboot sendet einen Hilferuf an das Führerboot der deutschen Torpedoboote V 187. Beim dem Versuch die feindlichen Linien zu durchbrechen, wird V 187 völlig zerschossen. Der Kommandant fällt. Die Besatzung versenkt das Boot mit einer Sprengpatrone.

 
 

Unser Unterseebootkrieg – Otto Weddigen

Der Autor Dr. Otto Weddigen (nicht zu verwechseln mit Kaptitänleutnant Otto Weddigen) porträtiert in seinem Buch die erfolgreichsten Unterseebootführer der Kaiserlichen Deutschen Marine.

Die U-Boot-Kommandanten:

Kapitänleutnant Otto Weddigen.
Kapitänleutnant Otto Hersing.
Kapitänleutnant Hans Rose.
Kapitänleutnant Berndt Buß.
Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perriére.
Kapitänleutnant Max Valentiner.
Kapitänleutnant Röhr.
Kapitänleutnant Robert Moraht.
Oberleutnant z. S. Otto Steinbrinck.

 
 

Kreuzerfahrten und U-Bootstaten – Otto von Gottberg

Vierzehn Episoden aus dem Wirken der schwarzen Waffe. Vierzehn Schicksale von U-Bootskapitänen und Besatzungen.

Graf Spee
S. M. S. „Karlsruhe“
S. M. S. „Ayesha“
Unsere Kreuzer im Mittelmeer
Der Kampf um die Dardanellen
Unsere Kreuzer im Schwarzen Meer
Das Kreuzergefecht vom 24. Januar
Unsere Vorposten auf der Nordsee
Die schwarze Waffe im Kampf
Die Marine in Feldgrau
U-Boots-Fahrt an den Feind
„U 21“
Die saubere Arbeit von „U 16“
Neue U-Boots-Beute

 
 

Nach Sibirien verschleppt – Ernst Seraphim

Als die russische Zarin Katharina 1762 jedem Neu-Hinzugezogenen ein Stück Land versprach, welches zudem für 30 Jahre von Steuern befreit bliebe, zog es zehntausende Menschen nach Russland. Als sogenannte Russlanddeutsche wuchs ihre Zahl bis zum Jahr 1874 auf über eine Million an.

Russischen Behörden missfiel die erfolgreiche autarke Lebensweise, sowie die mangelnde Bereitschaft russisch zu sprechen. Das Misstrauen der Bevölkerung wuchs zusehends und steigerte sich Anfang des Krieges in Hysterie. Schließlich kam es Anfang Juni 1915 in Moskau zu einem drei Tage anhaltenden Pogrom gegen Russlanddeutsche.

Auf die Ächtung der deutschen Sprache unter Androhung schwerer Geld- und Gefängnisstrafen folgte die gewaltsame Austreibung deutscher Kolonialisten.

 
 

In Trichtern und Wolken – Adolf von Tutschek

Die Persönlichkeit eines wertvollen Menschen übt stärksten Einfluß auf die Mitwelt. Ihr Wesen zu ergründen und zu offenbaren ist Dienst am Vaterlande. Die deutsche Jugend kann in der Erkenntnis solcher Vorbilder nicht genug gefördert werden. Charaktervolle Taten begeistern zur Nachfolge. Adolf Ritter v. Tutscheks Leben und Sterben ist die Auswirkung einer dem eigenen Innern gehorchenden heldischen Persönlichkeit.

 
 

An der Spitze meiner Kompagnie – Paul Oskar Höcker

Weit verstreut, weit verstreut sind wir jetzt. Wir wissen nichts mehr voneinander. Aber die Erinnerung an ernste und frohe Stunden wird uns begleiten. Und wir werden einander oft gedenken, wenn die Mannschaften ihr Liedlein singen:

Ich hatt einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilts mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt zu meinen Füßen,
Als wärs ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ewgen Leben
Mein guter Kamerad!

 
 

Otto Weddigen und seine Waffe – Hermann Kirchhoff

Ein Buch, erstellt aus den Tagebüchern und nachgelassenen Papieren Otto Weddigens.

Keine weitere Biographie, sondern eine Würdigung seemännischer Leistung und Tapferkeit in einer noch jungen Waffengattung. Der Unterseebootswaffe der Kaiserlichen Marine.

 
 

U-Deutschlands Fahrt – Fritz Skowronnek

Siebzehn Tatsachenbeschreibungen über die Fahrt, den Kapitän Paul König und der Besatzung des weltweit ersten Handels-U-Bootes.

Phantasien im Bremer Ratskeller
Wie taucht ein Unterseeboot?
Von dem Entstehen der Deutschland
An Bord der Deutschland
Paul König
Der Lotse an Bord
Enthusiastischer Empfang in Baltimore
Das Manifest Königs an die Amerikaner
Stimmungen bei der Ankunft der „Deutschland”
Der Protest der Entente
Der Eindruck in New York
Der Besuch im deutschen Konsulat
Die Ladung der Deutschland
Der „Kriegsrat“ in Washington
In Erwartung der Abfahrt
Die Ausfuhr
Die Bedeutung der U-Deutschlandfahrt nach Amerika

 
 

U-Boote am Feind – Werner von Langsdorff

800 U-Boote waren im Bau. 343 kamen an die Front, 199 sanken vor dem Feinde, die meisten mit der ganzen Besatzung.

Diese nüchternen Zahlen und die schlichten Erzählungen zeugen von der selbstverständlichen Einsatzbereitschaft und vom Kameradschaftsgeist der U-Bootleute. Dies dem heranwachsenden Geschlecht zu überliefern, soll Zweck dieses Buches sein.

 
 

Als U-Boots-Kommandant gegen England – Georg Freiherr von Forstner

Kapitänleutnant Günther Georg Freiherr von Forstner schildert in einer Vielzahl spannender Episoden Stationen des U-Boot-Kriegsalltags in der Kaiserlichen Marine.

Zur Unterseebootswaffe kommandiert!
Luftverhältnisse während der Tauchfahrt
Wie es unter Wasser zugeht
Tauchmanöver und Torpedoschuss
Mobilmachung
Die Einleitung des Handelskrieges
Erste Ausfahrt zum Handelskrieg
Der erste versenkte Dampfer
Kapern zweier Prisendampfer
In Flandern
An Englands Küsten
Weitere Kriegserlebnisse
Schiffsuntergänge und Schiffshebungen

Enthalten sind zahlreiche Abbildungen